Rare Herzensworte über die Schule

Here we are. Endlich das Ende und ich fühle mich gezwungen zu realisieren, was grade passiert ist. Ich bin glücklich, aber nicht erleichtert, wie ich erwartet habe. Ich bin einfach nur glücklich, so weit gekommen zu sein und jetzt in meinen letzten Osterferien die letzten zwölf Jahre verarbeiten zu können. 12 Jahre sind eine unglaublich lange Zeit - so lang, dass es eine Zumutung wäre von mir zu verlangen, meine Schulzeit mit einem Wort zusammenzufassen. Wenn ich dazu gezwungen werden würde, würde ich meine Schulzeit wohl mit dem Wort "Schule" beschreiben. Es gibt keine Adjektive, mit denen ich 80% meines Lebens zusammenfassen kann. "Schule" steht für sich alleine, alle wissen, was gemeint ist und alle stellen sich darunter etwas anderes vor.

Während der letzten 12 Jahre habe ich unglaublich viele verschiedene Ichs kennengelernt; ich habe an mir gearbeitet, war schüchternes Mäuschen, gemeines Gossip Girl, stand wiederum für viele ungerecht behandelte Mitschüler ein, habe lauthals in Philosophie diskutiert und in Sport mit meinen Skills geprahlt, in anderen Stunden dann aber mies gelaunt in der Ecke gesessen, weil Kugelstoßen nun mal nicht mein Ding ist.

Ich habe mich zum ersten Mal verliebt! Platonisch und auch wirklich. Ich habe tausend mal gedacht endlich eine gute Freundin gefunden zu haben, mit der ich auch in den nächsten 20 Jahren Pferde stehlen könnte und ebenso viele Mal festgestellt, dass die Freundschaft nicht länger als ein Jahr halten kann.

Ich hatte Erzfeindinnen - einen Haufen! - die es sich zur Aufgabe gemacht haben, mich zu schikanieren, auszulachen und Gerüchte über mich zu verbreiten. Die meisten Male habe ich klein beigegeben, die wenigen letzten Male schließlich für mich eingestanden. Der Konflikt hat sich damit sicher nicht gelöst, beliebter hat mich das bei meinen Kontrahenten nicht gemacht, aber beliebter bei mir selber - und das zählt doch, oder nicht?

Ich habe Stärke mit großer Klappe verwechselt und eingesehen, dass Ehrlichkeit gut ist, aber nicht immer lautstark vertreten werden sollte. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Ich habe gelernt, dass es keine bessere Qualität gibt als Empathie. Der Vergleich zu anderen ist sinnlos, sich in andere hineinzuversetzen dagegen der Schlüssel für ein Gleichgewicht. Ich habe gelernt, mir unbegründete Kritik nicht zu Herzen zu nehmen (zumindest arbeite ich noch daran) und (daran arbeite ich auch) unbegründete Kritik nicht selber zu produzieren.

"Gelernt" ist das Schlüsselwort, denn abrupt fallen mir leider vorrangig die Ereignisse ein, aufgrund derer ich weinend nach Hause lief. Mittlerweile will ich deshalb nicht weinen, sondern glücklich lächeln, denn ich habe letztendlich alles gemeistert. Ich bin stolz auf mich und auf alles andere um mich herum. Ich bin stolz darauf, mich nach dem Abi auf meinen Blog konzentrieren zu können, den ich vor fast 4 Jahren gegründet habe, als ich noch ein anderes Ich war. Ich bin so stolz, aber habe so viel Angst vor der Zukunft. Ich habe Angst vor keinem Plan und vor zu viel Plan, da ich das Schicksal nicht verpassen will. Augen zu und durch. Wo werde ich wohl in einem Jahr sein?

Da ich mich grade eben an impulsiven Schreiben versuche und der Post sicherlich chaotisch ist (!) noch ein kleines Gedicht, welches ich in der 10. Klasse geschrieben habe. SPOILER ALERT: Nein ich halte mich nicht für einen Poeten, aber wenn es etwas gibt, was mir die Schule fürs Leben mitgegeben hat, dann dieses Gedicht:

Seiltanz
 
Das Leben ist ein Tanz auf einem Drahtseil,
sich ständig wendend zu unserem Vor- oder Nachteil,
ein Auf- und Ab zwischen Tiefen und Höhen
immer in Acht vor den nächsten Windböen.
 
Bisher war mein Seil immer fest gespannt
es wackelte nie, es lag in meiner Hand
und machte mir irgendwas mein Tänzchen schwer
so kamen vier helfende Hände daher.
 
So wächst man in den Alltag hinein
sieht Menschen bloß Glas, Menschen bloß Schein,
nebenbei ein Blick auf das eigene Bild
man fragt sich als was man wohl selber gilt.
Und schafft es schließlich zwischen all den Idealen
seine eigene Persönlichkeit zu malen.
 
Ich male mich mit Worten, weil ich ihnen vertrau'
mit ihnen bin ich stark, ich bin allem voraus
nur mit ihnen kann ich lächeln
sie machen mich aus.
 
Doch nicht immer ist alles so einfach und rosig
ein zu wilder Tanz und das Seil ist gerissen.
So wie sich die Unruhe hinter mich schlich
hat sie mir all die Kontrolle entrissen.
 
So ragt meine Brücke nun in unbekanntes Gebiet
wer ist man ohne das was man liebt?
Die flüsternde Menge starrt gebannt auf das Seil
es reißt mich fast runter,
ihre Schadenfreude alles andere als ein Ansporn
ich sage, es ist mir egal,
denn ich blicke nach vorn.

Werde ich in dem nächsten Kapitel auch so ein Gedicht schreiben? Ich hoffe es. Ich sehe mich auf jeden Fall schreibend und redend und lachend. Und auch mal schweigend, daran arbeite ich. Vielleicht treffe ich ja noch jemanden von euch, jetzt wo ihr die private Feder der 15-jährigen Ana kennt. Damals war ich ein fanatischer Masha Kaleko Fan. Was ist bloß daraus geworden? Wie lange habe ich keine Gedichte mehr gelesen? Fazit: Eine Tür schließt sich, Tausende öffnen sich. Ich heiße die Angst willkommen und bin zwar nicht gewappnet für das, was kommt, aber überglücklich, dass es kommt. Bye Bye Schule, ich weiß nicht ob du mich den Seiltanz gelehrt hast, aber du hast mir klar gemacht, dass das Leben nicht als einer ist. Ich werde dich nie vergessen.
Kommentare on "Rare Herzensworte über die Schule"
  1. Hört, Hört!

    Schöne Worte.
    Wünsche eine schöne Woche!

    Viele Grüße
    Twineety

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  2. Hach Ana, dein Post erinnert mich total an letztes Jahr nach meiner Abizeugnisverleihung, wo mir plötzlich klargeworden ist: Mann, krasser Scheiß, ich bin fertig mit der Schule, die mehr als die Hälfte meines Lebens eingenommen hat :O.
    Ich hab dann auch nochmal alles revuepassieren lassen. Krass, was in 12 Jahren alles so passiert.

    Haha, Kugelstoßen fand ich eigentlich ganz lustig, aber ich war in Sport eh immer schlecht ^^. Du bist da ja viel aktiver als ich.

    Du hattest Erzfeindinnen :O? Da hatte ich ja Glück, dass ich nur Leute hatte, die hinter meinem Rücken über mich gelästert, aber mich in Ruhe gelassen haben ^^.
    Beliebt bei dir selbst ist ne tolle Formulierung - und auf jeden Fall wichtiger :).

    Klingt, als hättest du wirklich eine Menge gelernt! Wenn man so zurückblickt, ist es schon irre, wieviel man gereift ist in der Schulzeit. Man sammelt echt viele wertvolle Erfahrungen.

    Du sprichst mir wirklich aus der Seele. Angst vor keinem Plan und Angst vor zu viel. Das beschreibt es perfekt. Überhaupt schreibst du extrem schön und fast schon poetisch :). Man merkt, dass du Mascha Kaléko kennst ;).

    Das Gedicht ist echt toll :).

    "Ich heiße die Angst willkommen und bin zwar nicht gewappnet für das, was kommt, aber überglücklich, dass es kommt." Und wieder sprichst du mir aus der Seele.

    Ein toller Post!

    LG <3,
    Charlie

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    1. Ach Charles, ich liebe deinen Monsterkommentare <3
      NEIN Kugelstoßen ist der Horror, wenn man solche Ärmchen hat, wie ich - da geht gar nichts :D

      Vielen Dank, freut mich so sehr, dass dir meine Schreibe gefällt und dass du mein Gedicht nicht verachtest :D ;)

      Kussi! :-*

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  3. Hey Ana :D

    zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Abi! *hier Party emoji einfügen*

    Deine Worte über die Schule und besonders allgemein, wie man sich danach fühlt, sprechen mir da echt aus der Seele. Ich hab zwar erst in zwei Wochen mein schriftliches und dann noch mündliches und und und, aber ich freue mich echt wirklich auf die Zeit danach.
    Natürlich habe ich auch Angst, mein Leben war bis jetzt rein vom organisatorischen und was ich zu tun hatte nicht schwer. Meine "Arbeit" war sozusagen Schülerin und der Weg war relativ weit schon vorgegeben und man wusste, was man zu tun hat.
    Und jetzt?
    Aber ich glaube du hast Recht und man muss sich seinen Ängsten stellen, egal welcher Art, und einfach machen, oder eben nicht machen :D

    Und am Ende nochmal ein Kompliment, du hast das wirklich sehr schön geschrieben ♥

    Liebste Grüße
    Anna

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    1. Liebste Anna,
      wie schön es auch wär - ich habe mein Abitur noch nicht :D Genau wie du auch, schreibe ich nach den Osterferien mehr. Die Schule ist ja aber vorbei und da eignen sich die zwei Wochen vor den Klausuren gut mal darüber nachzudenken, was grade so geendet ist ;)

      Stimmt - Willkommen in der Arbeitslosigkeit! :D Ja, so ist das - anders geht's ja nicht als einfach Leben, komme was wolle! -- DANKE!

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  4. Hallo Ana!
    Ein wunderbarer Post! Und das Gedicht gefällt mir auch :)
    Herzlichen Glückwunsch zum Abitur und viel Erfolg für die Zukunft!

    Liebe Grüße,
    Noemi

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    1. Noemi, gratulier mir doch bitte in zwei Monaten, falls ich dann mein Abitur habe :-*
      Aber danke, freut mich, dass dir der Post gefällt!

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  5. Ich hab das Gefühl du sprichst für mein Ich aus der Zukunft - so in etwa einem Monat. Schon jetzt hab ich ähnliche Gedanken und Hoffnungen, aber ein bisschen werde ich noch in den Unterricht gehen und versuchen, es zu genießen. Denn es ist wahr, was immer die Schule sonst ist, ich habe irgendwie was gelernt. Ob das nun der Lehrplanstoff war (eher nicht) oder fürs Leben zwischen dem Unterricht (da ham wirs).

    Dein Gedicht aus der Vergangenheit ist wirklich schön. Zwischen all den Idealen, seine Persönlichkeit zu malen find ich einen tollen Ausspruch und so passend. Ich bin tatsächlich gespannt, wie es mir bald gehen wird, ich hab viel in der Schule geliebt, aber auch viel verachtet.

    Ganz erschrocken bin ich grad bei den Worten "Erzfeindinnen"!! Was war denn los, ich kann mir das gar nicht vorstellen? (wenn nicht hier, dann Chat :*)
    Allerdings ging es mir ähnlich mit Menschen und Freunden. Die wirklich wahren sind nur ein paar ganz wenige, alle anderen gibt es zwar auch noch, aber die wechseln immer hin und her in meiner, sagen wir, "Prioritätenliste".

    12 Jahre sind so viel von unserem Leben jetzt. Aber was mich so erstaunt, ist der Gedanke, dass 12 Jahre in dem ganzen Leben, das wir voraussichtlich haben werden, nichtmal so viele sind. 1/8 vielleicht. Und trotzdem so wichtig.

    ♥ Ley

    P.S.: Ich denk schon länger über so einen ähnlichen Post nach, aber eher im Format "Meine 12 Jahre Schule in...Büchern" Also zu jedem Lebensabschnitt innerhalb der Schule das Buch das mich begleitet und mir auch geholfen hat. Was meinste? =D

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    1. Ley!!! Du und Charlie mit euren Monsterkommentaren ne - richtige Keulenbrüder halt! :D
      Genau, das sind die letzten Momente und ich würds jetzt nicht übertreiben (schließlich hat Schule auch scheiß Seiten und die Nachschulzeit extrem tolle!), aber trotzdem nicht vergessen, dass das so viele Jahre unseres Lebens waren.

      Süß, dass du mein Gedicht magst - hatte ja Angst auf Shitstorm zu stoßen, schließlich ist das eigentlich nicht mein Format ;-)

      Was ich davon halte? Klingt mega gut - DO IT GIRL! P.S. 1/8 unseres Lebens ist vorbei :o !!!

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  6. Huhu liebe Ana,

    oha, ich habe noch ein Jahr Gnadenfrist, dennoch sehe ich jetzt schon mit mulmigen Gefühl zwischen Freude und Entsetzen auf den Moment, an dem die Schulzeit Geschichte ist ... Ich kann mir vorstellen, wie komisch das ist.
    Das Gedicht finde ich übrigens wirklich schön und toll geschrieben!

    Kugelstoßen habe ich auch immer gehasst. Ich konnte es einfach nicht. So gar nicht. ^^

    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Endlich mal jemand - willkommen im Club! :D
      Ja es ist komisch, aber noch habe ich es wahrscheinlich gar nicht realisiert :D

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  7. Ein sehr sehr ehrlicher und schöner Post!
    Gehört ab sofort zu meinen Lieblingsposts von dir :)
    Dein Gedicht ist der Wahnsinn!
    Alles Liebe, Maya von Melyanisme

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    1. Und dieser Kommentar zu meinen Lieblingskommentaren - danke danke, das freut mich sehr! <3

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  8. Hey Ana,
    das war eine wirklich schöne Abschiedsrede. Ich winke auch mit einem Taschentuch der Schule hinterher und bereite mich auf die Prüfungen vor^^ *Internet High Five*
    Habe sehr ähnliche Entwicklungen erfahren und bin wirklich gespannt, was mich nach dem Abitur erwartet.
    "Ich heiße die Angst willkommen und bin zwar nicht gewappnet für das, was kommt, aber überglücklich, dass es kommt."
    Ich hätte es nicht besser beschreiben können.
    Dir noch schöne Osterferien und liebe Grüße,
    Jo ♥

    myavalon-blog.blogspot.de

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    1. Hey Jo,
      danke für den lieben Kommentar, erstaunlich, dass es den meisten doch genauso geht wie mir. Dir wünsche ich ganz viel Erfolg bei den Klausuren!

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