Social Media ist gefährlich

Schauen wir uns kurz um. Wir sind die Generation Social Media. Jetzt genau in dem Moment erreiche ich euch über das Internet, über meinen Blog über dem ihr mich kennenlernt ohne mich wirklich zu kennen. Jedem sagt Twitter, Instagram und Facebook etwas und es ist ganz selbstverständlich, dass wir dort angemeldet sind. Mit einem Account. Als Figur in diesem Paralleluniversum Social Media.

Bisher alles nur eine Feststellung. Ich liebe das Internet, denn ich blogge selbst, bin selbst viel auf erwähnten Kanälen unterwegs und auch ich habe mir im Internet eine Persönlichkeit erstellt. Das ist die Person, die ihr verbildlicht habt, wenn ihr mich nur über meinen Blog, Instagram, Twitter und Facebook kennt. Ich glaube und hoffe, dass ich ein Bild von mir vermittle, was realitätsnah ist und dass ich auf meinem Blog als ganz normales menschliches 17-jähriges-Mädchen spreche. Aber leider kann ich das nicht sicher sagen, denn schließlich trennen uns Kilometer und - was noch viel entscheidender ist - meine eigenen Entscheidungen darüber, was ich preisgebe. Und das gilt für alle Blogger und Vlogger, egal mit welchem Bekanntheitsgrad.

Eine Sache, die ich vor ungefähr einer Woche mit Entsetzen realisiert habe ist, in welche Abgründe von übertriebenen Perfektionismus meine Gedanken hin- und wieder abrutschen. Ich arbeite gern an mir und setze mir Ziele und Vorsätze, doch mir ist aufgefallen, wie diese Tendenz mittlerweile ein Trend ist (oder schon immer war?) und in ungesunde und selbstentwertende Bereiche reicht. Die Ursache speziell bei mir war schnell entdeckt: Instagram. Täglich um die 100x gehe ich unbewusst auf Instagram und scrolle durch die Bilder. Was sieht man? Perfekte Bäuche, perfekte Frisuren, hochglanz-Selfies, gesundes Essen und wunderschön eingerichtete Zimmer. Es scheint als hätte diese Instagramerin alles nach dem ich mich sehne, wenn ich nach einem schrecklich stressigen und mau-gelaufenen Tag nach Hause komme, realisiere wie beschissen meine Haare aussehen, eine Tafel Schoki verdrücke, bevor ich dann den Klamottenberg vom Bett auf den Schreibtischstuhl verlagere und mir den Bauch halte, während ich eine Folge Game Of Thrones schaue. Wieso kann ich nicht so sein wie sie? Morgens meinen riesigen Smoothie trinken, 10 Häckchen auf meine To-Do-Liste setzen, an meinen eh schon perfekten Bauchmukkis trainieren und dann wohlverdient und topgestyled einen Film ansehen? 

Tja, ich sag euch warum: Weil ich echt bin. 
Zu viele Blogger (bevorzugt auf Instagram) tun nichts anderes als ein Image von sich selbst zu kreieren und es im Internet auszuleben. In den quadratischen Vorlagen der Bilder ist nur Platz für Sonne. Jeder will doch seinen Traum von Leben leben und wieso sollte man diesen dann nicht sein Instagram-Ich leben lassen? Niemand lässt andere gerne an seinem Abendessen-Bäuchlein, dem Make-Up nach der Partynacht und dem Zimmer nach einem stressigen Morgen teilhaben. Das ist auch okay so - aber das dürfen die Millionen von heraufschauenden Mädchen nicht vergessen. 

Meistens passiert aber genau das. In der Konsequenz schaut man auf sich herab und findet sich hässlicher, dicker, unsportlicher, unfleißiger, organisierter, sozialer und weniger liebenswert, als ... Ja als wer oder was eigentlich? Denn der Vergleich, der dann stattfindet ist unglaublich. Man vergleicht sich selber, die Person, dessen Gedanken und Schwächen man am besten kennt, mit dem Bild einer Person von der man nur ihre Schokoladenseite je zu Gesicht bekommen hat. Hm, kann man eigentlich nicht vergleichen, oder?
Und weil du immer noch suchst, nach dir und dem Glück, weil da immer noch so viel Hoffnung in deinem zerlebten Wesen ist, liest du dich durch angesagte Blogs und klickst dich durch schöne TumblrBildchen, die immer so melancholisch sind, dass du dich gar nicht mehr allein fühlst. Da im Internet, da leben noch mehr Menschen, die genau wie du sind oder denen es so wie dir geht und wenn du es nur schaffen würdest, immer noch weiter zu klicken, dann kommst du bestimmt irgendwann an. Irgendwann kommst du bei einem Bild an, einem Zitat, einem Artikel, der die Lösung enthält, die Wahrheit und dann weißt du, wie es geht, wie man glücklich ist und wird und bleibt und wie man selbst so angesagte Blogbeiträge schreibt und schöne Fotos macht und dann musst du nicht mehr suchen, dann kannst du sein, wer du bist, weil du glücklich bist und dann zeigst du den anderen, wie man das macht mit dem Glück und vielleicht, wenn die ganze Welt voll mit schönen Fotos und angesagten Blogbeiträgen ist, dann sind alle glücklich. Du weißt, dass du die ganze Welt und das Internet verwechselst. Na und? Machen doch alle. Lieber in der Illusion von Glück leben, als reales Unglück erfahren. Nur. Glücklich macht das leider nicht. aus "Ich wär so gern niemand - Niemand ist glücklich." von Melliteratur
  
Neben der immer weiter schrumpfenden Selbstliebe, tritt noch ein anderer Nebeneffekt auf: Wir vergessen zu Leben. Anstatt unsere Ziele zu verfolgen, zu tun worauf wir genau in dem Moment Lust haben und etwas zu erleben, was nur wir so erleben werden und können, schauen wir ununterbrochen auf einem Monitor nach, was andere machen. Wir tun das, was unsere Idole machen, anstatt uns selbst als Idol zu sehen. Wir haben Erwartungen, die wir nie hätten, wenn wir nicht ununterbrochen um Erlaubnis bitten würden und versuchen würden, wie andere zu sein. 

All diese Gedanken (und noch einige mehr) kamen mir vor kurzer Zeit in den Sinn. Ich habe mein Handy in die Hand genommen und meinen Account bei Instagram gelöscht. Um die gefühlte 47338 Mal ist mein Finger unbewusst zu dem Ort getippt, an der ich mir täglich Zugang zu dem konstruierten Leben fremder Menschen verschafft habe. Heute habe ich weder meinen Bauch, noch mein Mittagessen, noch mein Chaos von einem Zimmer, noch meine Frisur in Frage gestellt. Und das einzig und allein, weil ich nicht ständig von quadratischen Bildern unrealistischer Perfektion dazu aufgefordert wurde. 


Was denkt ihr darüber? xxx, Ana
Kommentare on "Social Media ist gefährlich"
  1. Man muss sich eben immer wieder verinnerlichen, dass das Internet uns Social Media mehr Schein als Sein ist. Und vor allem: Man muss sich selbst treu bleiben! Ab und an mal eine Pause von Internet & Co. schadet auch nicht ;-)
    Merke selber, dass ich das hin und wieder brauche. Übrigens habe ich den selben Schritt wie du gemacht: Account bei Instagram gelöscht! Das macht super viel aus!!!
    Aber ein sehr schöner und wahrer Bericht!
    Liebe Grüße
    Kathi

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    1. "Mehr Schein als Sein" trifft es genau :)
      Dankeschön! :)

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  2. Toller Post und leider ist alles wahr, das du hier kritisierst. Ich hasse diese Instagramaccounts, die nur ihre Körper und ach-so-tolles Leben in einer sehr überspitzen und unrealen Art und Weise darstellen. Dieses Paar, Jay und keine-Ahnung-wie-sie-heißt, nerven mich mega und die Kommentare unter ihren Posts nerven noch mehr. Total ungesund, so etwas.
    Aber was will man machen, außer darüber reden und sich so fern wie möglich von diesen negativen und ungesunden Dingen/Personen fern zu halten? :-/

    Alles Liebe
    Carly

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    1. Genau, mehr kann man nicht machen aber vielleicht ändert das fürs erste auch einiges! :)

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  3. Der Post ist auf eine gute Art und Weise ähnlich und ich sehe es sehr ähnlich wie du. Ich gebe zu, ich habe Instagram und ich habe oft auch das Gefühl weniger wert zu sein, weil es bei mir, beziehungsweise ich, einfach anders aussehe, als die Ideale, die wir ständig vor die Nase gelegt bekommen.
    Facebook und Twitter habe ich nicht und auch Instagram hat bei mir sehr lange gedauert und richtig wohl fühle ich mich dabei auch nicht.
    Ich kenne mehr als genug Leute, die sich Bilder im Internet anschauen und diese sich als "Goals" setzen, was eigentlich total schade ist, da jeder dieser Person eigentlich eine schöne Figur, eine schöne Frisur und einen tollen Klamottenstil hat.
    Der Post gefällt mir wirklich sehr gut und du kritisierst genau die richtigen Dinge.
    Liebst, Emme ♥

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    1. Hmm wenn du dich nicht so wohlfühlst mit Instagram, dann weg damit, oder? Ich habe z.B. WeHeartIt behalten, weil ich dort oft schöne Inspirationen finde und ich mich auch für Fotografie interessiere. Aber wenn du selbst siehts dass du dich sogar "weniger wert" fühlst, dann kann es ja nicht gut sein!

      So ist das leider - wir wollen immer mehr! Und dabei sollten wir erst schätzen, was toll an uns ist :) Dankeschön für deinen lieben Kommentar! :)

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