Sonntagsbrunch: Lieblingspancakes & ein Chat über uns Schubladenmasochisten

Guten Abend meine Lieben und herzlich Willkommen zu einem weiteren spätabendlichen Gute-Nacht-Kuss in Form eines Sonntagsbrunches. Dieses Mal kann der Inhalt tatsächlich dem Titel das Wasser reichen, denn was ihr einige wenige Zentimeter weiter oben seht ist meine heutige Frühstückskreation. Jaja, da staunt ihr, wo ich doch sonst grad mal ein Standart-Oatmeal ordentlich unter die Linse bekomme. Komischerweise stand heute gar kein Foodfotoshooting auf dem Plan - ich bin komplett fertig von selbst um 8 Uhr aufgestanden und brauchte ein Aufmunterungsfrühstück. Da habe ich zu meinem allerliebsten Pfannkuchenrezept gegriffen (machen wir uns doch nichts vor; Pancakes klingt auch nicht viel moderner), ein paar Blaubeeren in die Pfanne gestreut und voila! So schnell mutiert Ana vom Herdtrampel zur Küchenfee. Wir beherbergen doch alle versteckte Talente, von denen wir selbst gar nichts wissen, oder?


Da vielen von euch jetzt sicher das Wasser im Mund zusammenläuft und auf die Tastatur tropft, verrate ich euch schnell wie aus dem Bild des Pfannenkuchens, das ihr seht, dann doch ein tatsächlicher Pfannkuchen wird (Stichwort Ceci n'est pas une pomme). Ein paar Zutaten braucht ihr selbstverständlich auch. 
  • 3 Esslöffel Haferflocken (oder Mehl)
  • 6 Esslöffel Milch eurer Wahl (ich habe Hafermilch genommen)
  • 1 gepunktete, superreife Banane
  • uuuund 1 Ei
  • wahlweise Zimt, Blaubeeren, Honig, etc.
Die Zutaten mischt ihr dann und brät immer eine Kellenschopf auf beiden Seiten goldbraun. Wenn ihr zu dem Klacks noch eine Handvoll Blaubeeren in die Pfanne legt, dann ergibt das drei saftige Dalmatinerpfannkuchen, die euch in den Blaubeerenhimmel katapultieren werden. 
Ein Gedanke, der mich in den letzten Wochen nein, Monaten beschäftigt, ist das Schubladendenken. Nicht die Variante, die allgemein bekannt ist, nach welcher der Mensch anderen direkt beim ersten Aufeinandertreffen Vorurteile zuweist und sie dann direkt charakterisiert und "in Schubladen steckt", ohne genaueres über sie zu wissen. Das ist ein Phänomen gegen das wir womöglich in erster Linie nicht mehr tun können, als uns dem bewusst zu sein und zu erkennen, wenn wir uns mit voreiligen Schlüssen getäuscht haben. Was mir momentan immer häufiger im Kopf herumschwirrt und mich wie eine nervige Fruchtfliege einfach nicht in Frieden lässt, ist die Tatsache, dass wir uns nur allzugern selbst in Schubladen stecken, uns Label auf die Stirn kleben, sie herumposaunen und uns damit im Endeffekt ein einschränkendes Gefängnis bauen. Stichwort Image: Wir wollen einem speziellen Bild, einer speziellen Persönlichkeit, einem speziellen Image entsprechen und erstellen uns gedanklich eine Checkliste mit Eigenschaften, die wir erfüllen müssen, um so zu sein. Diese Checkliste ist natürlich vollgestopft mit Vorurteilen und Klischees. 

Wollen wir beispielsweise eine Sportskanone und ein Fitnessfreak sein (dieses Label ist momentan ja ganz weit oben auf der Liste der angestrebten Images), so nehmen wir uns vor 4x die Woche zu trainieren, keine Süßigkeiten mehr zu essen und eine gehirnwäschereifes Imperium an Nike Sportschuhen zu errichten. Vielleicht gehen wir bereits 4x die Woche ins Fitnessstudio und lieben diese Gewohnheit. Genauso lieben wir es aber auch Freitagabends mit Freunden Pizza zu essen und in der Mittagspause die Tafel Milka mit unseren besten Freunden zu teilen. Tja, Pech gehabt - entweder diese Gewohnheit verschwindet oder du wirst niemals die Person sein, die du sein willst. Du wirst dich nie einen Fitnessfreak nennen können und sportlich bist du auch nicht, denn du erfüllst nicht zu 100% das erwartete Image. 
"Totaler Quark" denkt ihr euch jetzt sicher und das ist es auch! Doch die meisten von uns streben es an in einen Stereotypen zu passen und sich ein Label aufzukleben. 

Wir kennen sie von den Highschool Filmen. Die Perfektionistinnen, die immer top gestyled und organisiert mit seligem Lächeln durch die Gänge stolzieren, die eben genannten Sportskanonen, die ihr Whey hochhalten und die kreativen Köpfe, die dem neuesten Undergroundtrend nacheifern. Und wir alle haben oder quetschen uns immernoch in das Image das wir verkörpern wollen und erleben Enttäuschungen von uns selbst, wenn wir nicht alles so machen, wie es das Schubladendenken in unseren Köpfen vorschreibt. Die anderen stecken uns in Schubladen und, als wenn das nicht schon traurig genug wäre, stecken wir uns selbst auch in Schubladen. Wieso? Weil wir Menschen sind und einen Ruf haben wollen und auch hier nichts weiter tun können, als dieses Phänomen wahrzunehmen, einzusehen und uns in Momenten, wo wir zu streng mit uns selbst sind, zur Besinnung zu rufen. Amen.

Wie ich darauf gekommen bin? Die Pfannkuchen sind wie ihr gemerkt habt vegan... bis auf das eine Ei, welches ich in den letzten Wochen zu vermeiden versucht habe. Ich bemühe mich, mich vegan zu ernähren und erzähle das auch gerne meinen Freunden. Ich will keine Aufmerksamkeit erregen, noch fühle ich mich besonders. Ich interessiere mich dafür und diskutiere gerne darüber. Jedoch finde ich es unglaublich traurig, welchen Shitstorm Menschen erfahren, die nicht 24/7 ihrem Ideal-Ich entsprechen. Deshalb werde ich mir nie nie nie das Label des Veganers aufdrucken (!), ob ich es irgendwann schaffen werde rein pflanzlich zu essen oder nicht. Natürlich soll man hinter seinen Prinzipien stehen, aber die eigenen Prinzipien sind eben auch nur Richtlinien der Wunschpersönlichkeit. Es ist das zu dem wir hinwollen und in meinen Augen ist es egal, wann wir oder ob wir überhaupt das Ziel erreichen. Wir entsprechen nicht unserem Wunschimage und das werden wir auch nie tun; aber unser Wunschimage, der Mensch der wir von ganzem Herzen sein wollen, definiert letztendlich, wer wir wirklich sind. 

In diesem Sinne: Ändert was euch stört, aber versucht nicht zwanghaft etwas zu sein, für das ihr so leben müsst, dass ihr nicht glücklich seid. Gebt euer Bestes und bringt euch an eure Grenzen, wenn ihr das für nötig haltet, aber geht nicht den Schritt über sie hinaus. So wie ich das erfahren habe ist das nämlich der Weg zu einem glücklich unglücklichen Leben in kontrollierter Perfektion, aber ohne Willensfreiheit. Ich glaube, dass vegane Ernährung die beste ist, aber ab und zu esse ich Eierpfannkuchen und ich liebe durchgestylte Outfits, aber ab und zu sieht man mir morgens an, dass ich zu wenig Schlaf bekommen habe. Ich predige Kreativität und will sie voll und ganz ausleben, aber wenn mir mal die Worte fehlen, dann ist das auch kein Problem. 

Mir fallen die Augen zu, weshalb ich euch auch in die Woche entlasse. Wie seht ihr das? 
Habt ihr euch selbst auch schon ein Image aufgedrängt? Welches? Wie sieht euer Aufmunterungsfrühstück aus? Wie hat euch dieser spontane Sonntagsbrunch gefallen?
 xxx, Ana
Kommentare on "Sonntagsbrunch: Lieblingspancakes & ein Chat über uns Schubladenmasochisten"
  1. Sieht sehr lecker aus dein Pfannkuchen/Pancake :)

    Zu dem Thema Vegan: Ich bin auch der Meinung, das es gesünder ist Vegan zu leben. Ich habe jetzt das große "Glück" mit einer Freundin zusammen gezogen zu sein, die eben Veganerin ist.
    Kochen tun wir gemeinsam und ich esse wirklich wenige tierische Produkte - nur der Fruchtzwerg muss zwischendurch mal sein :D Aufzwingen kann man ja sowieso keinem was und jeder hat seine eigene Meinung zu dem Thema.. Wagen würde ich es trotzdem nicht mir dieses "Label" aufzudrücken, denn nachher sieht jemand wie ich ein Eis esse und dann gehts los.. :D

    Liebe Grüße :)

    AntwortenLöschen
  2. Ich sehe das ganz ähnlich wie du. In eine Schublade stecken lassen will ich mich selbst auf keinen Fall und will mich auch nicht selbst dazu zwingen. Zuhause ernähre ich mich ebenfalls größtenteils vegan, einfach weil es mir schmeckt und ich zur Zeit nicht sooo riesig viel Lust auf Fleisch bzw. Tierprodukte habe.
    Aber wenn ich dann doch mal Lust auf Spiegelei, ein Eis oder ne Pizza habe, dann esse ich das auch - darauf möchte ich nämlich einfach nicht verzichten. Genau deswegen nenne ich mich auch nicht "Veganer", sondern sehe das ganze eher als "Teilzeiteinstellung" :D

    AntwortenLöschen