Rezension: "Legend" von Marie Lu



Eine Welt der Unterdrückung. Rachegefühle, die durch falsche Anschuldigungen genährt werden. Und Hass, dem eine grenzenlose Liebe entgegentritt. Dies ist die Geschichte von Day und June. Getrennt sind sie erbitterte Gegner, aber zusammen sind sie eine Legende! Der unbändige Wunsch nach Rache führt June auf Days Spur. Sie, ausgebildet zum Aufspüren und Töten von Regimegegnern, erschleicht sich sein Vertrauen. Doch Day, der meistgesuchte Verbrecher der Republik, erweist sich als loyal und selbstlos angetrieben von einem unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn. June beginnt, die Welt durch seine Augen zu sehen. Ist Day tatsächlich der Mörder ihres Bruders? Fast zu spät erkennt June, dass sie nur eine Spielfigur in einem perfiden, verräterischen Plan ist. Fallender Himmel ist der erste Band der Legend-Trilogie."Es gibt mehr als eine Wahrheit! Im Jahr 2130 unterdrückt eine menschenverachtende Militärregierung das eigene Volk. Der junge Day gilt als Feind Nummer eins. Er lebt im Untergrund. June dagegen ist dem Regime treu ergeben. Doch ist Day wirklich ein gewissenloser Rebell? Junes Weltbild gerät ins Wanken.

Groß gehypt, angepriesen und (weil es sich ja wirklich gut anbietet) als "legendär" bezeichnet. "Legend" von Marie Lu genießt in der Jugendliteratur großes Ansehen, weshalb es auch in meine Fänge geriet. Die letzten Jahre bin ich geflissentlich daran vorbeigelaufen, konnte es aber letztendlich mit meinem Bookie-Gewissen nicht mehr vereinbaren - schließlich will man mitreden. Rückblickend ist "Legend" ein Roman über den ich sogar mitschwärmen könnte; wenn ich auch feststellen musste, dass zu viel goldpolierter Glanz unangenehm in den Augen juckt.

Die erste Sache, die man Marie Lus Kreation lassen muss: Sie hat was! Und mit "was" meine ich einen starken Sog, voller Spannung, Action und ungelöster Fragen, die sowohl Mädchen als auch Jungen in den Bann ziehen kann. Von der ersten Seite an ist der Leser Teil dieser dystopischen Gesellschaft, die so anders und so viel ungemütlicher ist, als unsere eigene. Dennoch wirkt sie nie ganz fremd, denn durch die abwechselnde Perspektive von Protagonisten Day und June, wird der Leser sowohl mit dem Alltag der Armen als auch der Reichen, bzw. der Verlierer und Gewinner dieses Systems, vertraut. Mit dem Erreichen des 10. Lebensjahres muss sich jeder Bürger eines Tests unterziehen, der sowohl physische als auch geistige Fähigkeiten prüft. Nach diesen Ergebnissen werden Jobs zugeordnet, Hand in Hand also auch Status und Lebensbedingungen.


Wie soll es also dazu kommen, dass Bestnote-Absolventin June und Durchfallkandidat Day aufeinandertreffen? Was bedeuten die Symbole auf den Türen der Armen? Und welche Leichen hat die Regierung noch im Keller? Von ungelösten Fragen bleibt der Leser trotz einer schnellen Einfindungsphase nicht - und das ist auch gut so! Man ist den Protagonisten nie mehr als einen Schritt voraus, sodass man seine persönlichen Vermutungen gerne hegen kann, dennoch Seite an Seite kleine Rätsel des Systems lüftet. 

Wobei mir bei "Legend" schlichtweg die Motivation gefehlt hat mitzudenken. Viel lieber lauschte ich nur den Gedankengängen von -vorallem- June, die mit Sicherheit die intelligenteste Charaktere ist, die ein Jugendbuch je hervorgebracht hat. Kein graues Mauerblümchen, das sich hinter den breiten Schultern ihres Vampirprinzes versteckt! June ist eine Kickass-Heldin allererster Sahne, die aber bei der Aufklärung unzähliger Lügen dem Leser trotzdem noch eine kleine Portion Mitgefühl abgewinnen kann. 


Gegenpart Day steht June da weder an Intelligenz, noch an Sympathie nach. In meine Augen besitzt er sogar den rebellischen Funken, der die Dystopie aufrechterhält: Er wuchs nicht behütet von der Regierung auf und hegt dennoch keinen verbitterten Hass gegen die Reichen, was ihn als durch und durch gutmütigen Menschen kennzeichnet. Mittlerweile gehört es zu den guten Manieren, dass der männliche Protagonist eine Prise vom Badboygewürz abbekommt, womit auch Day ein bisschen aufpoliert werden sollte. Meiner Meinung nach eine Fehlentscheidung; er hat es nicht nötig.

Zudem hätte Lu auch ein paar Stunts aus dem Plot streichen können, denn weniger wäre auch hier mehr gewesen. Nichts gegen Action - gerade die gibt für das Setting viel her! - aber an einigen Szenen hätte mit dem Alarm für Cobra 11 - Modus gespart werden. Ab einer bestimmten Grenze ist büßt die Geschichte eine Menge Authentizität ein. Wie gesagt, zu viel Glanz juckt irgendwann in den Augen. 

Legendär vielleicht nicht, aber spannend ist "Legend" allemal. Marie Lu hat ihren Protagonisten eine unglaublich präzise und detaillierte Gedankenwelt verpasst und sie in eine dystopisch-ungemütliche Welt gesetzt, die noch so einige Fragen offen lässt. Ganz nach dem alten Roman-Klischee prallen auch hier mit Day und June zwei ungleiche Welten aufeinander, was zum hundertsten Mal auch den gewünschten Effekt hat. Ob mich die Liebesgeschichte, welche sich hier dezent durch die Hintertür geschlichen hat, überzeugen kann wird sich zeigen. Sicher ist, dass der Fokus auf der systemkritischen Haltung liegt - und dabei noch ganz viel Stoff für Teil 2 und 3 bereit hält. Da aber hoffentlich mit extravaganten Stunts spart.

Marie Lu wurde 1984 in Shanghai geboren und lebte für einige Zeit in Texas, bevor sie an der University of Southern California studierte. Das Wetter hat sie überzeugt dortzubleiben und nun wohnt die New-York-Times-Bestsellerautorin mit ihrem Mann und drei Hunden in Santa Monica, nahe dem Meer. Marie Lu verbringt ihre wenige Freizeit mit Lesen, Zeichnen, dem Spielen von Assassin´s Creed und Im-Stau-Stehen.
Kommentare on "Rezension: "Legend" von Marie Lu"
  1. Lies unbedingt weiter, für mich ist die Trilogie mit jedem Band besser geworden. Den ersten Band fand ich toll, aber noch nicht legendär. Aber das kommt noch :-)

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    1. Ja das werde ich auf jeden Fall! - nur nicht sofort :D
      xx, Ana

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    2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Ich sitz gerade an Band 3 und kann dir in vielen Punkten zustimmen. Obwohl mir June teilweise etwas zu rational ist, fand ich die ersten beiden Bände recht gut und erhoffe auf das versprochene spektakuläre Finale!

    Tolle Rezension :)

    Lg bibi ;)

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    1. Hey Bibi,
      ja da muss ich dir Recht geben: Junes Intelligenz macht sie so super besonders und genial, gleichzeitig bßt sie sich somit ein paar Sympathiepunkte ein, weil sie manchmal wirklich wie ein Roboter denkt :D
      Uii dann freu ich mich schon *-* Danke dir :-*
      xx, Ana

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  3. Mir hat "Legend" auch total gut gefallen. Ich habe die ganze Reihe letztes Jahr gelesen und kann dir nur empfehlen, sie weiter zu verfolgen :)

    Liebe Grüße ♥

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  4. Huh, bisher habe ich ähnlich wie du vorher "Legend" keines näheren Blickes gewürdigt - aber jetzt ist da dieses nagende Gefühl, dass sich das möglicherweise nach deiner wirklich tollen Rezension ändern könnte. Denn die macht mich wirklich neugierig ...

    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Genau das sollte sie auch B-)
      Dann wirds doch alle Zeit - ich glaube dir wird Legend auch gefallen!

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  5. Ich habe "Legend" auch erst diesen Monat gelesen (auf Deutsch) und boah, mir hats ja so gar nicht gefallen. Auch wenn ich glaube, dass ich damit fast die Einzige bin ... gibt eindeutig bessere Dystopien! Ich mochte weder Day und June, noch die Welt, noch die Handlung, lediglich der Schreibstil war ganz nett :D

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    1. Ehrlich? Also ich kann verstehen wenn man es nicht so bombe findet, aber gar nicht mögen?
      Day und June haben mein Herz auch nicht im Sturm erobert, aber Junes Superhirn hat mich schon beeindruckt muss ich gestehen :D

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  6. Die Rezension ist echt gut und ich überlege schon die ganze Zeit ob ich mir das Buch kaufen soll aber jetzt hast du mich überzeugt, dass ich es kaufen muss!:D
    Aber ich habe noch eine Frage, war es einfach es in Englisch zu lesen? Oder war es eher ein schweres Englisch?:o und sorry falls ich es überlesen habe oder so:o

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    1. Hey Kerschtiiiiin (geiler Name übrigens :D)
      Freut mich, dass ich dir bei deiner Entscheidung helfen konnte :)
      Öhm, hoffe dass ich das jetzt gut einschätzen kann, aber meiner Meinung nach war es schon schwrieger als andere Jugendbücher, was aber bei Dystopien oft so ist, da der Wortschatz über die alltäglichen Klauseln hinausgeht. Dennoch lässt sich alles mit dem Kontext erschließen. :)

      Viel Spaß beim Lesen,
      xxx. Ana

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