Rezension: "Wer weiß was morgen mit uns ist" von Ann Brashares


Die 17-jährige Prenna lebt mit ihrer Mutter in New York, seit sie zwölf ist. Doch was vorher war und wo sie herkommt, darf sie niemandem erzählen. Eine Pandemie hat Millionen Opfer gefordert, und zusammen mit wenigen anderen ist es Prenna gelungen, in unsere Gegenwart zu entkommen. Jetzt tun sie alles, um ihre Herkunft geheim zu halten. Deshalb gelten strenge Regeln für Prenna: möglichst kein Kontakt zu den Mitschülern, nicht mehr Worte als nötig. Sich mit einem Jungen aus der Schule zu verabreden, ist selbstverständlich ausgeschlossen. Prenna hält sich daran. Bis zu dem Tag, an dem ihr Ethan Jarves begegnet und sie sich Hals über Kopf verliebt …

Als in den 2050er Jahren die Blutpest ausbricht überleben nur die wenigen Menschen, die eine Resistenz dagegen entwickeln konnten. Der Rest stirbt und hinterlässt eine Welt, die kaum noch den Reiz besitzt in ihr zu leben. Deshalb flohen die Überlebenden - in eine ganz andere Zeit rund 50 Jahre in die Vergangenheit. Dort wo (noch) alles gut ist und keiner ahnt zu was die Verschwendungssucht führen wird. Doch anstatt das die Zeitreisenden ihr Wissen nutzen, um das Unheil zu verhindern, leben sie unter den strengen Regeln ihrer Anführer: Ganz oben auf der Liste steht das Verbot mit Absicht in den Verlauf der Dinge einzugreifen, was sie mit allen möglichen Drohungen und Maßnahmen unterbinden. Prenna hasst dieses Leben voller Schranken, denn es zwingt sie dazu immer wieder Ethans Annäherungsversuche zurückzuweisen. Als sie schließlich auf einen wichtigen Hinweis stößt, der ihr die Augen öffnet, macht sie sich zusammen mit Ethan auf eine Mission, die eine bessere Zukunft versprechen mag. Doch die anderen Zeitreisenden liegen ihr im Nacken - genauso wie die Zeit selbst...

Vorab: Der deutsche Klappentext von "Wer weiß, was morgen mit uns ist" hinterließ auch mich zunächst ziemlich nüchtern, denn es scheint als verbirge sich hinter den knapp 350 Seiten (nur) eine Geschichte verbotener Liebe. Das trifft es auf keinen Fall. In diesem Roman macht Brashares die Leser darauf aufmerkam wie wichtig gegenwärtige Taten sind und wie vorsichtig wir mit unseren Handlungen sein müssen. Auch wenn wir die Folgen nicht spüren, am Ende müssen unsere Enkelkinder mit den Abfällen unseres Fehlverhaltens leben.

Das wird am Beispiel einer Gruppe Zeitreisender klar, deren Welt (die unsere zukünftige ist - nur mal so nebenbei) durch eine Pandemie vollkommen zerstört wird. Sie reisen zu der Zeit zurück, zu der noch niemand die Konsequenzen der jetzigen Handlung kennt und tun was? Genau, gar nichts. Diese Grundidee gefällt mir unglaublich gut, denn es ist schockierend zu sehen, dass Menschen ein angenehmnes entspanntes Leben über Nachhaltigkeit und Verhinderung schlimmer Zeiten stellen. Es heißt zwar "Lebe den Moment", aber wenn man dafür im nächsten leidet, dann sollte man sein Handeln vielleicht überdenken. Deshalb 5 Sterne schonmal an die Idee! Der Vergleich ist angemessen, - denn auch wir wissen heutzutage zu was unsere Verschwendungssucht führt - und die Botschaft somit angekommen. Danke, Brashares für's Augen-Öffnen!

Was die nebensächlichen Storylines und den Unterhaltungsfaktor angeht, hält sich meine Begeisterung in Grenzen. Auch wenn Prenna in die Rolle der Rebellin gesetzt wird und im Verlauf ihrer Mission mit Thematiken wie Liebe, Familie, Sex und Moral aneinanderstößt, ist sie am Ende kein richtig fassbarer Charakter. Komischerweise (!) - denn eigentlich zeichnen sich genug Eigenschaften über sie ab, dass der Leser sie gut kennen müsste. Mir erscheint sie immernoch kilometerweit weg und warm geworden bin ich mit ihr kein Stückchen.
Ethan hat da mehr zu bieten, denn Mut ist sein zweiter Vorname und so widmet er sich tapfer einem Kampf, der eigentlich nicht seiner ist. Doch auch er ist einfach nicht zum Greifen nahe.
Genauso die Beziehung der beiden, die sich so schnell entwickelt und so perfekt ist, dass ich das Interesse an ihr verloren habe. Von 17-jährigen erwartet (und erhofft) man sich mehr Humor, mehr Ecken und Kanten und schlichtweg ein paar zuckersüße Stellen. In dem Fall aber: Prenna + Ethan = Quadratisch, Praktisch, Gut.

An Brashares Schreibstil kann ich jedoch nichts bemängeln, denn er führt gut durch die Handlung und ist sehr flüssig. Viele Zitate lassen sich finden, die auch schön in einem Lesetagebuch aussehen würden und ich mir gerne rausgeschrieben habe. Insgesamt ist "Wer weiß, was morgen mit uns ist" zwar sehr strukturiert und gedanklich gut vorbereitet geschrieben, aber verfolgt den Roten Faden zu konsequent, sodass die Seiten so dahinflogen (positiv!) und die Mini-Exkurse ausblieben (negativ). Mag dem einem oder anderem so lieber sein, aber ich finde es hätte dem ganzen die gewisse Prise Salz verpasst.


"Wer weiß, was morgen mit uns ist" bleibt seinem Titel treu und endet in einem Cliffhanger. Aber nicht bevor es dem Leser eine wichtige und einschneidende Botschaft übermittelt, die ich mir sehr ans Herz genommen habe. Die Idee hinter der Geschichte ist genial und auch die Umsetzung gelingt, sodass ich Brashares Ansicht unterschreiben möchte. Leider bleibt für die Nebenstränge nicht mehr so viel übrig, denn da hat die Autorin vergessen den Charakteren und der Liebesgeschichte humorvollen und jugendlichen Reiz zu verleihen. So sprüht die Geschichte nicht vor Unterhaltung, kommt aber durch eine gute Strukturierung schnell zum Punkt, was für Brashares Erfahrung als Autorin spricht. Eine Leseempfehlung an alle - allerdings eine die vom Verstand kommt, nicht vom Herzen.


 Ann Brashares wuchs mit drei Brüdern in der Nähe von Washington D.C. auf. Sie studierte Philosophie an der Columbia University in New York, unterbrach jedoch das Studium aus
finanziellen Gründen und begann, in einem großen amerikanischen Verlag zu arbeiten. Die Arbeit dort gefiel ihr so gut, dass sie nicht mehr an die Uni zurückging und stattdessen einige Jahre als Lektorin tätig war. Seit 2000 widmet sich Ann Brashares ganz dem Schreiben – ihre Serie »Eine Jeans für vier« über vier Freundinnen um die 16 ist weltweit ein durchschlagender Erfolg. Ihr erstes Buch für Erwachsene, »Unser letzter Sommer«, war ein New-York-Times Bestseller in den USA. Brashares lebt mit ihrem Mann, dem Porträtmaler Jacob Collins, und ihren drei Kindern in Brooklyn, New York.
http://www.randomhouse.de/cbj/http://www.bloggdeinbuch.de/
1 Kommentar on "Rezension: "Wer weiß was morgen mit uns ist" von Ann Brashares"
  1. Ja, irgendwie waren die Charakter und so ein wenig blass, aber die Idee dahinter fand ich auch toll. Und aufrüttelnd.

    Liebe Grüße :)

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