Rezension: "Verloren in der grünen Hölle" von Ute Jäckle


 Das Leben der siebzehnjährigen Kolumbianerin Elena verläuft glücklich und sorgenfrei. Bis sie eines Tages gemeinsam mit zwei Freundinnen auf dem Weg zu einem Einkaufsbummel entführt und in das Camp einer professionellen Kidnapperbande mitten im Regenwald verschleppt wird. Eine Zeit voller Todesangst und Schrecken bricht für die Mädchen an, denn der cholerische Bandenführer Carlos kennt keine Gnade.
Elena will sich mit ihrem Schicksal nicht abfinden, sie rebelliert mit dem Mut der Verzweiflung gegen die Männer und fordert damit den Zorn von Carlos heraus. In letzter Minute beschützt der attraktive Entführer Rico sie vor dem gefährlichen Anführer und stürzt Elena in einen Gewissenskonflikt. Ehe Elena bewusst wird, auf was sie sich einlässt, zieht es sie in einen reißenden Strudel aus Leidenschaft und tödlicher Gefahr.

 Elena sah aus dem Fenster hoch zur Sonne, die bereits kraftvoll vom wolkenlosen kolumbianischen Himmel schien. Ein Kondensstreifen zog sich darübe, so weit oben, dass sie das Flugzeug nicht erkennen konnte. Javier, der Fahrer ihres Vater, saß am Steuer der S-Klasse, während es sich Adriana, Luisa und sie auf dem Rücksitz bequem machten. Vater befand sich für ein paar Tage auf Geschäftsreise und hatte ihr das Auto für eine Einkaufstour überlassen.
Ohne viel Zeit daran zu verlieren, was sich hinter "Verloren in der grünen Hölle" befinden könnte, wird man schon in die Handlung geschleudert und landet gemeinsam mit Elena und ihren beiden Freundinnen tief im Dschungel - genauso orientierungslos, aber auch neugierig auf den Debütroman der Autorin. Und auch im weiteren Verlauf entpuppt sich genau das auch als die Stärke der Geschichte. Denn an Spannung mangelt es hier keinesfalls, denn jeder Tag hält viele Überraschungen bereit, kann die Befreiung oder auch den Tod eines Geisels bedeuten. Ute Jäckle hat hier eine ganz neue und noch unbekannte Storyline gestrickt, deren Ende man aufgrund von anderen ähnlichen Geschichten vorhersehen kann, sodass ich selbst noch 40 Seiten vor dem Ende nicht ganz wusste, worauf das alles hinausgehen wird - ein Gefühl, dass ich echt vermisst habe!

Auch der Anteil an Gewalt und Grausamkeiten, die eine wichtige Rolle einnehmen, ist ziemlich gut gewählt. So bleibt es stets realitätsnah und die Tatsache, dass es bei einem Kidnapping so oder noch schlimmer wirklich vorgeht, nicht von verschönert oder gar verschleiert. Allerdings wird auch bei Details gespart, was "Verloren in der grünen Hölle" auch für die etwas ist, die schwache Nerven haben und vor dem Genre "Thriller" normalerweise zurückschrecken.

Klingt doch bis jetzt ganz gut, oder? Wenn das alles wäre, was ein gutes Buch ausmacht, dann wäre das eine 5-Sterne-Rezension, doch auch wenn die Spannung konstant bleibt und auch die Umsetzung des Plots beispielhaft gelungen ist, hält sich meine Begeisterung für die Charaktere in Grenzen - höflich gesagt.

Als größtes Problem nenne ich ganz klar Protagonistin Elena. Es wird deutlich, dass sie die Rolle der "tapferen" Frau mit dem starken Willen einnehmen soll. Doch leider kam das ganz anders an. So finde ich, dass Elenas Protest bei dem Marsch in den Dschungel an die bewaffneten Kidnapper nicht mutig oder willensstark, sondern einfach nur dumm und zickig ist. Auch im weiteren Verlauf stellt sie sich mehr als nur kindisch und naiv an und ist eines von diesen Mädchen, die nie die Konsequenzen für ihre Taten tragen. Trotz ihrer unglaublich großen Klappe, entkommt sie der Wut von Gruppenleiter Carlos ohne jeglichen Kratzer, während der Dschungel sich für ihre Freundinnen als die Hölle entpuppt. Rechnet man die Tatsache, dass sie alles falsch macht und trotzdem Glück hat, plus der Tatsache, dass man naiver nicht sein kann, dann kommt am Ende eine durch und durch unsympathische Protagonistin raus. 

Das führt leider auch dazu, dass die Liebesbeziehung von Rico und Elena einiges an Potential abgibt.  Rico fehlt es nicht an Tiefe, Intelligenz oder Moral, aber sie gibt sich im widerstandslos hin und rennt ihm zwischendurch einfach unpassend hinterher - hallo, er ist dein Kidnapper? Mit welcher Wahrscheinlichkeit will er wirklich etwas Ernstes mit dir haben? Wie es natürlich kommen muss, ist sie seine wahre Liebe, aber wie gesagt, ein bisschen mehr Skepsis und Stolz von Elenas Seite hätte dem Roman sichtlich gut getan. SPOILER  So bin ich zum Beispiel der Meinung, dass man mit 17 Jahren doch wissen muss, dass auch nur einmal Sex reicht, um schwanger zu werden.  SPOILER ENDE.

Der Schreibstil von Ute Jäckel ist an sich eigentlich ziemlich flüssig und beweist einen großen Wortschatz. Allerding hat auch der seine Tiefpunkte, sodass die Dialoge ab und zu etwas gestelzt wirken, Jugendliche Wörter wie "Spielkamerad" benutzen, gleizeitig das Gleiche sagen oder sich die Charaktere filmreife und perfekt eingeübte Wortgefechte liefern. Da fehlt es dann doch an Glaubwürdigkeit. Dennoch steht der Schreibstil dem Plot in keinster Weise im Weg und begleitet den Leser ordentlich durch jeden Tag in der "grünen Hölle".
Insgesamt bin ich noch hin- und hergerissen und weiß nicht ganz Recht, ob ich zu den Fans oder Gegnern des Debüts gehören soll. Es ist nicht mit Sicherheit nicht die buchige Hölle, sondern ein wirklich spannender Roman mit einer Grundgeschichte, der ich bisher noch nicht so begegnet bin. "Verloren in der grünen Hölle" gibt einen ziemlich realistischen Einblick in die grausamen und schrecklichen Wochen eines Kidnappings und lässt den Leser bis zur letzten Seite zappeln. Leider schafft es die Heldin das Leseerlebnis um einiges einzuschränken, da Naivität ihr zweiter Vorname zu sein scheint. Deshalb eine eingeschränkte Leseempfehlung von mir. Interessiert ihr euch sehr für das Thema und fühlt euch wohl im Genre Thriller, dann warum nicht? Für alle anderen kein Muss.

Ute Jäckle wurde in Stuttgart geboren. Sie studierte BWL in Nürnberg und verbrachte einige Jahre in den USA. Nach dem Studium arbeitete sie für die Industrie. Schon immer war ihre ganz große Leidenschaft das Lesen, aber mit dem Schreiben begann sie erst vor ein paar Jahren. Seitdem kann sie aber nicht mehr davon lassen und widmet sich voll Hingabe dem Verfassen von Liebesromanen. [via Lovelybooks]



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