Rezension: "Es duftet nach Sommer" von Huntley Fitzpatrick

 Die 17-jährige Gwen kann es nicht fassen: Ausgerechnet der größte Fehler ihres Lebens, Cassidy Somers, lässt sich dazu herab, den Sommer über auf ihrer Heimatinsel als Gärtner zu jobben. Anders als Gwen, die befürchtet, sich wie ihre Eltern mit miesen Jobs durch Leben schlagen zu müssen, ist er einer der reichen Kids vom Festland. Doch Gwen träumt davon, dem allen zu entfliehen. Nur was würde das für ihr Leben bedeuten? Gwen verbringt einen berauschenden Sommer auf der Suche nach Antworten darauf, was ihr wirklich wichtig ist, an ihrem Zuhause, den Menschen, die sie liebt und schließlich an sich selbst. Und an Cassidy, der sie in einen verwirrenden Gefühlstaumel zwischen magnetischer Anziehungskraft und köstlicher Unsicherheit stürzt.
Nichts kann mir die Stimmung so vermiesen wie eine Wagenladung Jungs.
Leises Fluchen dringt aus der Imbissbude Ice Cream Castle, Dad hat sie also auch schon auf dem Schirm. Ein Trupp Highschool-Jungs steht ganz oben auf seiner Hitliste unerwünschter Kunden. Es kann ihnen nie schnell genug gehen, bis ihr Essen kommt, dann schlingen sie es runter, sauen alles ein und geben anschließend kein Trinkgeld. Behauptet er jedenfalls.

Gwens Sommer sollte eigentlich folgendermaßen aussehen: Etwas Jobben im Restaurant ihres Vaters, die Aufpasserin der älteren Mrs.Ellington spielen und ansonsten Zeit mit ihrer besten Freundin, ihrem Cousin und ihrem geistig behinderten jüngeren Bruder verbringen. Doch leider macht ihr Cassidy Somers einen Strich durch die Rechnung, indem auch er auf der Insel jobbt - dabei braucht er das Geld gar nicht. Ausgerechnet Cassidy, der Gwen schon einmal verletzt hat und eigentlich nur noch in ihrer Vergangenheit eine Rolle spielen sollte. So beschließt Gwen ihm einfach aus dem Weg zu gehen, aber -voila!- das Leben macht ihr natürlich einen Strich durch die Rechnung. So läuft sie Cassidy andauernd über den Weg und muss sich eingestehen, dass zwischen den beiden doch noch etwas ist...

Mit "Es duftet nach Sommer" setzt Huntley Fitzpatrick ihr zweites Jugendbuch in die Welt und läutet wieder mal mit einer romantischen und alltäglichen Geschichte den Sommer ein. Als Leser begleitet man die 17-jährige Gwen durch ein einige Monate auf einer kleinen Insel, auf der der nicht so wohlhabende Teil der Bevölkerung lebt und während der Ferien für die reichen Touristen arbeitet. Doch wer vermutet, dass es sich bei "Es duftet nach Sommer" nur um die Beziehung zwischen Cassidy und Gwen und somit auch um eine locker flockige Sommerlektüre handelt, der liegt damit  falsch.

 Irgendwie sind Fitzpatrick und ich, was Charaktere in Büchern angeht, nicht ganz auf einer
Wellenlänge. Schon in "Mein Sommer nebenan" konnte Samantha mich als Protagonistin nicht umhauen und auch Gwen sieht neben manch anderer Heldinnen ziemlich mickrig aus. Was aber auf jeden Fall für sie spricht ist, dass sie nicht dem Mainstream-Schema entspricht und wieder mit dem schüchternen Graue-Maus-Image daherkommt. Gwen ist zwar auch ziemlich selbstständig und vertrauenswürdig, allerdings mehr als nur (zu) erfahren in Sachen Jungs. Auch wenn das bei mir die Sympathie ein bisschen gehemmt hat, ist es doch eine kühle Erfrischung in diesem Genre. 

Cassidy dagegen ist der perfekte unperfekte männliche Gegenpart, denn er sieht gut aus, ist selbstbewusst, aber auch schüchtern wenn es um Gwen geht. In sich trägt er -zugegeben- schon den guten alten Bad Boy, allerdings versucht er Gwen damit nicht einzuschüchtern und verkörpert mit ein paar anderen amüsanten Macken eine interessante Figur mit Ecken und Kanten.
Neben den Hauptakteuren versüßen aber auch die Nebencharaktere mit ihrer Einzigartigkeit das Leseerlebnis. Angefangen bei der bezaubernden Vivien, über Nick mit seiner Zielgerechtigkeit, bis hin zu Gwens herzlichem Großvater oder ihrem liebevollen, behinderten Bruder, sprühen alle von Authentizität und erobern die Leserherzen. 

Die Handlung ist genauso ausgereift, denn sie kann spannend sein ohne jegliche Action oder schlimme Schockmomente. Sie besitzt ein gemütliches Tempo und überzeugt mit kleinen romantischen, witzigen, rührenden oder auch enttäuschenden Momenten. Dafür sorgen vor allem Rückblenden, die Puzzelteil für Puzzelteil das Geheimnis der Vergangenheit von Gwen und Cass aufklären. Besonders positiv zu erwähnen ist, dass Fitzpatrick kein flaches Sommerbuch aufs Papier gebracht hat, sondern auch über Themen wie Behinderung, Familie, Sex, Zukunft und Ungleichheiten zwischen Menschen schreibt.


Zuletzt kann ich auch am Schreibstil nicht Meckern, denn er ist ordentlich, leicht, schnell zu lesen und auch holprige Stellen bleiben dem Leser erspart und ermöglichen es, sich komplett auf die Geschichte einzulassen. Eine Prise Humor und typisch-jugendlich formulierte Gedankenstränge bringen das Sommergefühl auf seinen Hochpunkt.

Dieses Buch duftet nach Sommer, denn es lässt sich genauso lesen, wie ein perfekter Sommersmoothie schmeckt. Mit einer außergewöhnlichen Protagonistin liefert die Lektüre Erfrischung, mit einer bunten Pallette an wichtigen Themen eine große (Geschmacks-)Vielfalt und mit Cassidy Somers und ein paar romantischen Szenen ganz viel Süße. Ich kann "Es duftet nach Sommer" jedem ans Herz legen -oder auch in den Urlaubskoffer!


Die US-amerikanische Schriftstellerin Huntley Fitzpatrick wuchs in einem kleinen Küstenort in Connecticut auf, der die Vorlage für den Ort Stony Bay in Mein Sommer nebenan lieferte. Schon als Kind wollte sie Schriftstellerin werden. Nach dem Universitätsabschluss arbeitete Huntley Fitzpatrick in verschiedenen Berufen, unter anderem in einem akademischen Fachverlag und als Lektorin bei Harlequin. Heute lebt die sechsfache Mutter in Massachusetts und widmet ihre gesamte Zeit dem Schreiben. Im April 2013 erscheint ihr Romandebüt "Mein Sommer nebenan".                                                        Mehr? Hier kommst du zu der offiziellen Website der Autorin und hier auf die von "Es duftet nach Sommer" inspirierte Playlist.

http://www.randomhouse.de/cbj/
Kommentare on "Rezension: "Es duftet nach Sommer" von Huntley Fitzpatrick"
  1. Das klingt ja echt toll *-* ich sollte mal wirklich anfangen die Bücher der Autorin lesen, da ja wirklich alle davon begeistert sind :D schöne Rezension ♥
    Liebe Grüße
    Nasti ♥

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    1. Hey Nasti, jaaa wenn du damit leben kannst, dass Contemporary nicht immer so komplex und auch mal oberflächlich sein kann, dann sind die von Fitzpatrick echt ein Traum - haben einfach so etwas bestimmtes an sich. Kann ich nur weiterempfehlen! ♥

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  2. Freut mich ja, dass dir das Buch so gut gefallen hat. Das erste der Autorin liegt ja noch auf meinem SuB und ich freue mich schon darauf, es zu lesen.

    Liebe Grüße :)

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    1. Das erste fand ich nicht ganz so gut wie das. Aber trotzdem lesenswert - viel Spaß dabei :) Bin gespannt auf deine Rezension :)))))

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