[REZENSION] "Jersey Angel: Was ist schon ein Sommer?" von Beth Ann Bauman

Endlich Sommer! Es sind ihre letzten großen Ferien und die lebenslustige Angel will nur eins: diese Tage genießen. Sie ist nicht wie ihre beste Freundin Inggy, die einen festen Freund, gute Noten und Pläne für die Zukunft hat. Angel weiß nicht, was nach der Schule kommt, doch sie ist zuversichtlich. Allerdings entwickelt sich ihr Sommer anders als gedacht: Der süße Joey will plötzlich mehr sein als nur ein Abenteuer, Inggy ist weg, um Colleges anzuschauen, und Angel verbringt auf einmal viel Zeit mit Inggys Freund Cork …
Ein Buch mit viel Sonne, noch mehr Atmosphäre und einer ungewöhnlichen, selbstbewussten Heldin. So schmeckt der Sommer!
Vom Sund her weht ein Hauch von Algen und Seegras durchs Fenster, das Bett füllt sich mit Sonnenlicht. Ich angele mir meine Sonnenbrille, genehmige mir ein wohliges Rekeln. Vielleicht ist heute Abend genau der Richtige Zeitpunkt, sich mit Joey zu treffen, Versöhnung zu feiern, den Tag sanft und süß - und scharf - ausklingen zu lassen.

Angel ist 17 Jahre alt, hatte schon mehr Freunde als sie zählen kann, ihren derzeitigen schon tausendmal abserviert und ist eines von den Mädchen, die mit allem durchkommen - auf den ersten Blick zumindest. Doch als Angels derzeitiger Freund nach der wiederholten Trennung ihrerseits, nicht mehr zu ihr zurückkriecht und sich lieber auf die Suche nach einer richtigen Beziehung macht, kommt sie zum ersten Mal in den Geschmack einer Zurückweisung. Nach ein paar Hundeblicken und schlaflosen Nächten beschließt sie jedoch den Sommer auf ihre übliche Weise zu verbringen: Jungs, Partys, Skandale... und irgendwie landet dann auch Cork, der feste Freund ihrer besten Freundin Inggy in ihrem Bett - und das nicht nur einmal.

Jersey Angel - wenn das nicht mal der Titel für ein locker flockiges Leseerlebnis ist, das sich mit seinem 200 Seiten an einem Strandtag weglesen lässt. Und tatsächlich flogen bei mir die Seiten nur so dahin, ehe ich mich am Ende des Romanes wiederfand und schließlich trotz des flotten Lesens eindeutig sagen kann, dass man "Jersey Angel" bestimmt keinen Lesegenuss nennen kann. Ganz im Gegenteil: Dieser Roman ist so anders und auf seine Weise so aufwühlend schlecht, wie man es nur selten erlebt.

Dabei trifft die Erkenntnis und der Schock über dieses Buch den Leser erst am Ende, denn über die 200 Seiten war ich stets auf der Hut nach einem klitzekleinen Bisschen Handlung, nach einem Höhepunkt im Geschehen, einer Verzögerung, einer Richtung oder irgendeiner Moral. Doch leider bietet Bauman nichts dergleichen. Sie schreibt lediglich darüber, mit wem Angel Cassonetti sich in einem einzigen Sommer alles so rumtreibt und darüber, dass ihr nichts heilig ist - nicht einmal das angeblich so starke Bündnis zwischen ihr und ihrer besten Freundin Inggy, die sie mit dessen Freund in 100 von 200 Seiten hintergeht. 

Beim Kennenlernen der Protagonistin steckt zunächst eine Menge Potential in der Einzigartigkeit von Angel unter all den anderen grauen Mäusen, Romantikerinnen und Verfechterinnen der menschlichen Rechte, die sich als Heldinnen in den Jugendbüchern finden. Angel ist all das egal und so verletzt sie ständig den einzigen Jungen, für den sie je ansatzweise etwas empfunden hat und übersteigt sogar für ein zügelloses Mädchen jegliche Grenzen. Aber das muss doch nicht schlimm sein, oder? Es kann doch auch mal spannend sein, eine ganz andere Perspektive als Leser einzunehmen, oder? Sicher ist, dass die Grundidee zwar riskant, aber nicht schlecht ist. Die Quelle der ganzen Antipathie, die man Angel gegen über empfindet, besteht einfach in der Sprache ihrer Gedanken. Diese sind so oberflächlich, so plump, so unbedacht und nichtssagend, dass es unmöglich ist, sich mit ihr zu identifizieren. Ich persönlich habe keine Probleme von Mädchen zu lesen, die unglaublich verletzt, unglaublich taff, schüchtern, dünn, dick oder zickig sind, aber wer will von einem Mädchen lesen, welches schlichtweg dumm und ahnungslos ist?

Leider kann ich den Umgang mit dem Thema Sex nur eingeschränkt loben. Dieses wird in den meisten Jugendbüchern - wenn überhaupt! - ziemlich verschwiegen behandelt, präsentiert sich hier aber im Scheinwerferlicht von einer manchmal schockierenden und lächerlichen Seite. So blieb mir bei einer Stelle, in der Angel von einem Freak gefragt wird, ob sie ihn entjungfern will und sie schließlich halbherzig zustimmt, als handele es sich um das Abschreiben der Hausaufgaben oder allerhöchsten um eine Einladung ins Kino, der Mund offen stehen.

Und so zog es sich durch den gesamten Roman, indem ich vergeblich darauf wartete, dass Angel die Rechnung für ihre Taten erhält oder dass sie mit einem Schlag die Erkenntnis über all das trifft, sie  stattdessen jedoch immer nur weiter Fehler begeht und -was ich tausendmal störender fand- dabei in schlecht formulierten Gedanken an unwichtige Kleinigkeiten schwelgt und so die Qualität des Romanes immer weiter den Bach runter geht.

Trotzdem gibt es eine kleine Sache, die "Jersey Angel" von anderen schlechten Lektüren unterscheidet: Der bittersüße Geschmack und das aufwühlende Gefühl, was Baumans Worte auslösen. Während viele der Meinung sind die Geschichte würde falsche Werte vermitteln, denke ich, dass sie die Leser eher davon abschreckt so zu enden wie Angel: In aller Munde, ohne Ziel, ohne Moral und dabei ungewiss darüber, wie wenig Selbstachtung sie sich dabei selbst entgegenbringt. Am Rande also eine geflüsterte Frage: Ist Beth Ann Bauman dann nicht eigentlich ein Genie?

Trotz dieser kleinen abwegigen Vermutung kann ich niemandem "Jersey Angel" ans Herz legen. Auch wenn sowohl Klappentext, als auch Titel Teil einer Maskerade sind und den Roman zu etwas machen, was er nicht ist, passt wenigstens die Titelergänzung ganz gut zum Inhalt der Geschichte. Was ist schon ein Sommer? Was ist schon eine Affäre mit dem Freund der besten Freundin? Was ist schon Vernachlässigung aller Chancen? Und was macht es schon, wenn man nach so vielen Fehlern nicht mal etwas draus lernt? Bauman sorgt mit ihrer kurzen "Sommerlektüre" für mehr Aufreger, als dem Leser lieb ist und schafft es irgendwie weder eine lockere Entspanntheit, noch nötige Tiefe mit ihren Worten zu treffen. Eine Handlung hätte den Roman mit Sicherheit noch vor dem Sturz von der Klippe bewahrt, aber leider ist von dieser keine Spur. Deshalb leider ein Flop von Kopf bis Fuß, bis auf das eine zusätzliche Herz, was ich dem Buch wegen meiner vielen Gedanken, die ich an ihm verloren habe, schulde.


I’m the author of three books—a short story collection Beautiful Girls (MacAdam/Cage), and the Rosie and Skate (Random House), which was selected for the New York Times Editors’ Choice list and Booklist’s Top 10 First Novels for Youth, and Jersey Angel (Random House) forthcoming in May 2012.  I’ve been awarded fellowships from the Jerome Foundation and the New York Foundation for the Arts.  I live in New York City but will always be a Jersey girl at heart.
young adult novels
What’s the upside of being a writer?
Staying in my pajamas until 3:00 PM
What’s the downside of being a writer?
Not getting out of my pajamas until 3:00 PM
What does all this mean?
I need better pjs, I think. [via bethannbauman.com]
Mehr? Wenn du mehr von Beth Ann Bauman über sie selbst lesen willst, dann schau doch auf ihrem sehr aktiven Blog vorbei.

 

Ich bedanke mich herzlich für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares bei 
Kommentare on "[REZENSION] "Jersey Angel: Was ist schon ein Sommer?" von Beth Ann Bauman"
  1. Okay, das klingt doch mal nach einem tollen, lesenswerten Buch. Ähem.
    Schon der Klapptext konnte mich nicht wirklich überzeugen, aber ich dachte, das wäre eines dieser Bücher, in denen die Prota am laufenden Band Fehler macht und am Ende alles einsieht, aber wenn du sagst, dass das nicht so ist ... krass ...
    Meistens ruiniert eine unsympathische Protagonistin mir das ganze Bücher und sowieso habe ich nicht das Bedürfnis, dieses Buch jetzt zu lesen. Aber tolle Rezi! Du hast mir einen sehr guten Eindruck von dem Buch und warum ich es nicht lesen möchte gegeben! :)

    Liebe Grüße

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    1. Haha danke :) Ist auch mal ganz schön so ein Feedback für eine Leseentpfehlung zu bekommen. ♥
      Ja bei mir ist das auch so, schlimme Protas sind einfach NO GOES danach rettet nichts mehr das Buch

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  2. Irgendwie habe ich bis jetzt echt noch nicht besonders viel gutes über dieses Buch gehört und bin mir ziemlich sicher, dass ich es nicht lesen werde. Das Cover hat mich aber eigentlich von Anfang an nicht so richtig angesprochen. Das englische gefällt mir dafür jedoch echt gut.
    Für deine Rezension finde ich zwei Herzen ja fast noch zu viel :D
    Liebe Grüße :)

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    1. Ja, das stimmt. Das englische Cover hat was. :) Ich finde englische Cover sind oft mega simpel und unbesonders und dabei dann aber viel schöner :) ... und nicht so überteuert.. also die Bücher

      Würde mich fast wundern, wenn das Buch viele Fans findet.:D

      Ja, eigentlich ja, aber ich musste danach viel darüber nachdenken und bin mir nicht sicher, ob sich nicht vielleicht eine Botschaft dahinter versteckt, weißt du :D Manchmal denke ich mir so, dass ich das Buch vielleicht nicht richtig verstanden habe.. ist einfach so ein Tick von mir :D

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