[REZENSION] Spinnenkuss (Elemental Assassin #1) von Jennifer Estep

 
 Gin Blanco ist eine Auftragsmörderin, bekannt unter dem Namen »Die Spinne«. Geduldig liegt sie auf der Lauer, nähert sich ihren ahnungslosen Opfern und schlägt im richtigen Augenblick zu. Gnadenlos. Doch als sich ihr neuester Auftrag als Falle entpuppt, stürzt Gins Welt ins Chaos. Welcher ihrer unzähligen Feinde kennt ihre wahre Identität? Um ihren Gegner zu enttarnen, muss die Spinne ihr Netz verlassen und die Seite wechseln. Doch das Letzte, was man im Kampf gegen übermächtige Elementarmagie braucht, ist Ablenkung - besonders in Form des sexy Detectivs Donovan Caine ... [via Piper-Fantasy.de]

 
"Ich heiße Gin, un ich töte Menschen."
    Unter normalen Umständen hätte mein Geständnis überraschtes Keuchen ausgelöst. Bleiche Gesichter. Nervöse Schweißausbrüche, Unterdrückte Schreie. Ein, zwei umgeworfene Stühle, weil die Leute zu entkommen versuchten, bevor ich mein Messer in ihrer Brust versenkte - oder in ihrem Rücken. Solange die Verletzung zum Tod führte, war ich nicht besonders wählerisch.
   Aber nicht hier.

Nachdem Gin im Alter von 13 Jahren einen schrecklichen Schicksalsschlag erlitten hat und dabei vom Ex-Auftragskiller Fletcher von der Straße geholt wurde, stieg sie mit viel Training selbst in seine Fußstapfen. Jetzt - 17 Jahre später - ist Gin furchtlos und sicher, dass sie sich nie wieder so schwach fühlen wird, wie zu ihrer Zeit auf der Straße. Kalt und herzlos erledigt sie die Drecksarbeit für die Mächtigen und tötet nach Auftrag. Als dann aber eine Intrige geschmiedet wird, die sie stürzen soll und dabei ihr Tutor Fletcher ums Leben kommt, ist für Gin Schluss mit lustig. Denn auch eine Auftragskillerin hat ein Herz, das liebt... und vorallem eins spüren will: Rache. Auf der Suche nach ihren wahren Feinden fällt der Profikillerin eine Sache besonders schwer: Ihr Herz nicht an Detective Donovan Caine verlieren, der einerseits auf der anderen Seite steht, sie andererseits für ihre Taten abgrundtief hasst.

Hart, blutig, unnachgiebig, ehrlich. Mit diesen Worten lässt sich "Spinnenkuss", der Auftakt der "Elemental Assasin"-Reihe von Jennifer Estep beschreiben. Denn wo "Auftragsmörder" draufsteht, ist auch wahrhaftig "Auftragsmörder" drin. Dabei ist Estep besonders gründlich und erspart uns kein blutiges Detail. Jeder Mord exakt beschrieben, Gins tödliche Fertigkeiten perfekt zur Geltung gebracht und mit dieser Grundidee wohl nicht etwas für jeden geschrieben. Es scheint, als möchte die Autorin schon zu Beginn ihre Leser auf die Probe stellen, denn sie startet direkt mit einer Szene, in der Gin einen "Auftrag" erledigt. Wie sich später entpuppt, handelt es sich dabei, um einen völlig durchschnittlichen und harmlosen Auftrag, der für meine Verhältnisse aber schon brutal und grausam genug ist und jedem eine Gänsehaut bescheren wird.
Esteps kleinen Test habe ich bestanden - auch wenn ich wirklich mit dem Gedanken gespielt habe, diesen blutigen Roman beiseitezulegen - und siehe da: Diese Überwindung hat sich gelohnt, denn hinter "Spinnenkuss" steckt weit mehr, als nur Gewalt und Action.

Natürlich wird der Roman nach der ersten Szene nicht plötzlich zuckersüß und leicht, aber - wie
sagt man so schön - der Mensch ist ein Gewohnheitstier und so freundetet ich mich langsam mit der steinharten (und kalten) Sprache ab, die für Morde die gleichen Worte findet, wie für einen Lebensmitteleinkauf und einfach schrecklich abgestumpft wirkt. Hiermit trifft Estep jedoch genau ins Schwarze, da sie die Geschichte aus Gins Augen erzählt und diese genau das ist: Abgestumpft durch die Bilder die sie die letzten Jahre zu Gesicht bekommen hat.
Abgesehen davon verfügt die Autorin über einen wunderbaren und außergewöhnlichen Stil mit einem riesigen Wortschatz und vorallem auch hohem Sprachniveau (ohne dabei irgendwie aufgesetzt zu klingen). Zwischendurch musste ich mich selber daran erinnern langsamer als sonst zu lesen, um ja kein kostbares Wort aus Jennifer Esteps Feder zu verpassen.

Das alles unterstreicht die Persönlichkeit der "Spinne", wie sie Gins Klienten nennen. Mit einer Auftragsmörderin in der Rolle der Protagonistin bewegt sie Estep auf dünnem Eis: Einerseits ist es ziemlich erfrischend alles durch die Augen des vermeintlich "Bösen" zu sehen, andererseits darf nicht vergessen werden, dass Gin trotz ihrer sympathischen Eigenschaften viel Leid bringt und schon jegliche Grenzen der Menschlichkeit überstiegen hat.

Gut, dass im Laufe des Romanes Detective Caine auftaucht, um uns an Moral und das Gesetz zu erinnern. Denn auch die leicht angedeutet Liebesgeschichte (im Grunde besteht sie nur aus Sex), ist nicht aus der Klischekiste gezaubert. Der Gesetzeshüter und die Gesetzesbrecherin stecken, wie es das Schicksal dieses Plots will, mal in demselben Boot und sorgen so für viele komische und spannende Momente. Die beiden beeinflussen sich im Verlauf des Romanes gegenseitig, sodass am Ende eine angehauchte Entwicklung der Protagonisten sichtbar ist.

Ein bisschen Fantasy gefällig? Auch aus der Kiste der fantastischen Welten bedient sich die Autorin und lässt den "Avatar - Der Herr der Elemente"-Trend neu aufblühen. Diese leichte Würzung passt ganz gut in die Storyline und besitzt auf jeden Fall noch Luft nach oben, sowie Stoff für mehrere Bände.

Auch wenn es nichts ist für die, die kein Blut sehen können, so konnte mich "Spinnenkuss" von Jennifer Estep komplett in seinen Bann ziehen. Eine verdrehte Ansicht, eine grausame, rachesüchtige Protagonistin, ein paar Spielchen mit dem Polizisten und eine Prise Fantasy sorgen tatsächlich für jede Menge Lesevergnügen. Vorallem besticht dieser Roman aber auch mit Gefühl und einer Tiefe, die man Gin gar nicht zutrauen würde und einem fantastischen, einzigartigen Schreibstil, den ich 10 Bände lang genießen könnte. Gut, dass Estep eifrig am Schreiben war und die Reihe um Gin und Detective Caine noch lange kein Ende nimmt.

Jennifer Estep ist Journalistin und New-York-Times-Bestsellerautorin. Sie schloss ihr Studium mit einem Bachelor in Englischer Literatur und Journalismus und einem Master in Professional Communications ab und lebt heute in Bluff City, Tennessee.
Im College arbeitete sie bei der dortigen Collegezeitung und machte die Erfahrung, dass man mit Schreiben durchaus seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Sie schloss ihr Studium mit einem Bachelor in Englischer Literatur und Journalismus und einem Master in Professional Communications ab. Bevor sie hauptberufliche Schriftstellerin wurde, arbeitete sie zehn Jahre lang als Journalistin, beispielsweise als Reporterin für den Bristol Herald Courier. Estep ist Mitglied der Romance Writers of America und der Vereinigung der Science Fiction and Fantasy Writers of America.
Bei Piper bzw. beim ivi-verlag erschien bisher ihre All-Age-Serie um die »Mythos Academy«.

Ich bedanke mich sehr herzlich für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares bei
Kommentare on "[REZENSION] Spinnenkuss (Elemental Assassin #1) von Jennifer Estep"
  1. Das Buch hört sich richtig toll an, blutige Szenen machen mir nichts aus, und irgendwie habe ich richtig Lust dieses Buch zu lesen, ich bin sehr gespannt, ob es meine Erwartungen erfüllt :)
    Liebe Grüße,
    Jana

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    1. Es ist definitiv spannend und unterhaltend. Wenn du es eh lesen wolltest, dann kann ich es dir nur empfehlen :-)))

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  2. Ich schleiche jetzt auch schon ewig um dieses Buch herum und habe eigentlich nur Gutes darüber gehört.
    Ich bin schon total gespannt auf die Geschichte und muss mir das mal langsam echt mal kaufen :D

    Liebe Grüße

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