[FILM] - Gedanken: Vampire Acadamy oder: Nichtbuchkenner-Impressionen

 Die 17-Jährige Rose (Zoey Deutch) führt ein scheinbar ganz normales Teenager-Leben. Zusammen mit ihrer besten Freundin Lissa (Lucy Fry) geht sie auf die angesagtesten Partys, auch die Schulbank drücken die Mädels gemeinsam. Doch ihr Stundenplan ist alles andere als gewöhnlich und ein bisschen Blut an den Lippen gehört zum Alltag - immerhin ist Rose halb Mensch, halb Vampir und Lissa ist sogar zu 100 Prozent Blutsaugerin. An der Vampire Academy lernen die beiden Kampftechniken, die sie befähigen sollen, die friedlichen Vampire der Moroi vor den verfeindeten Stigori-Vampiren zu beschützen. Rose trainiert dabei besonders hart, denn die Strigoi haben es auf Lissa abgesehen, die eines Tages als Königin über die Moroi herrschen könnte. Aller adoleszenten Schwierigkeiten zum Trotz läuft es ganz gut für Rose – bis ihr Leben ausgerechnet von ihrem Trainer und Mentor Dimitri (Danila Kozlovsky) durcheinander gebracht wird…



Nachteile im Leben eines Bookies? Neben den oftmals aus der Luft gegriffenen Vorurteilen, sind es momentan wohl die Romanverfilmungen. Nach monatelangem Schwärmen über die neueste Buchentdeckung steht ein Jahr später schon die Verfilmung vor der Kinotür. Man will nicht, aber man tut es dann doch und schaut sich den Film an. Warum? Um sich zu ärgern und alle Kommentare von Fans des Films mit "Hättest du das Buch gelesen, dann würdest du ihn auch nicht mögen" zu erwidern. Na, erkennt ihr euch da wieder?  "Wie wäre es also mit einem kleinen Rollentausch?" Diese Worte erschienen in einer kleinen Gedankenblase zum Kinostart von "The Vampire Acadamy" über meinem Kopf, der mir sonst keine Verfilmung erlaubt, wenn davor das Buch nicht dran glauben musste. In dieser Spontanität blieb das Lesen des Romans aus, weshalb sich diese "Film-Gedanken" als Nichtbuchkenner-Impressionen outen müssen.

Nachdem Rose Heathaway und ihre beste Freundin Lissa sich ein Jahr vor der Vampir Acadamy versteckt haben, werden sie schließlich gefunden und zurück zu der merkwürdigen High School gebracht. Denn auch, wenn Rose und Lissa es in ihrer Zeit, fern von Vampiren, geschafft haben, fast an das Leben eines gewöhnlichen Teenagers heranzukommen, so trügt der Schein. Lissa ist eine Moroi, also ein Mitglied der königlichen Vampirfamilie und Rose, ein Dhampir -Halb Mensch, halb Vampir- und für den Schutz ihrer besten Freundin zuständig. Zurück an der St. Vladimir treffen die beiden nicht nur auf eifersüchtige Intrigantinnen, sondern spüren eine schlimmere Bedrohung auf sich zukommen, die Rose in die (zugegeben starken) Arme von Dimitri Belikov locken, der sie als Wächter ausbilden soll. Spätestens dann ist das Highschool-Chaos mit einer Prise Romantasy perfekt!

Vampire und High School - durchgelutschter können Themen in der Film und Buchwelt kaum sein. So hat "The Vampire Acadamy" das Zeug zu einem richtig schlechten Film. Dennoch wird hier wieder deutlich: Die Umsetzung macht's! Und so entpuppt sich der Film, als ziemlich sehenswert, solange man sich gerne in diesem Genre bewegt und auch ein wenig Kitsch über sich ergehen lassen kann.

Zu Beginn tappt man als Zuschauer noch im Dunkeln, da diese Vampirgeschichte es Twilight nicht gleich machen möchte und ihre eigene Welt mit weit mehr Details und komplexen Verstrickungen mitbringt. So ist "einfach zurücklehnen" bei "Vampire Acadamy" zunächst eine ganz schlechte Idee, da man mit Informationen regelrecht bombadiert wird und Begriffe wie "Strigoi" oder "Moroi" sogar geschrieben auf der Bildfläche erscheinen, was schon einen leicht lächerlichen Eindruck hinterlässt. Mit ein bisschen Willenskraft und der richtigen Motivation hat man die Welt um das Vampirkönigreich jedoch ziemlich schnell im Kopf und kann den Spaß genießen, den der Film zu bieten hat. 

Dazu gehören zum einen witzige, zickige, schlagkräftige Teenagerdialoge, die mich mehr als einmal zum Lachen bringen konnten und sich über die düstere Grundatmosphäre legen. Zugegebenermaßen ist oft auch Lucy Frys (spielt Lissa Dragomir) ungewollt komische Art daran beteiligt, die in einer anderen Umsetzung Fehl am Platz sein würde, in diesem lockeren und anspruchlosen Teenagerdrama aber perfekt reinpasst. Auch die anderen Charaktere sind liebenswert, auch wenn durch die stereotypische Rollenverteilung schnell durchschaubar. Die Zicke, die Streberin, der beste Freund und die graue Maus. Was? Ehm, nein natürlich nicht! Denn Rose ist alles andere als eine graue Maus und in "Vampire Acadamy" ein Highlight, was sie ihrer schlagfertigen, toughen und dennoch sexy Art zu verdanken hat, um die sie viele Mädchen beneiden werden. Zusammen mit ihrem Gegenpart Dimitri sind die beiden unschlagbar und katapultieren sich direkt in das Herz der Kinogänger, wobei ich vorallem die Besetzung der Hauptrollen sehr gut gelungen finde. Während Zoey Deutch schon auf den ersten Blick zu Badass-Rose passt, dauert es ein bisschen bis das Zuschauerherz auch für Danila Kozlovsky zu schlagen beginnt. Mit ihm haben die Filmemacher einen für Hollywood ziemlich untypischen Schauspieler gefunden und den Cast so ungemein erweitert, denn die Sympathie für ihn steigt mit jeder weiteren Szene. Das erweist sich als viel spannender und interessanter, als ein Hollywoodschönling, den man schon vor dem Kinogang an jeder Ecke gesehen und schließlich satt hat.

Was die Effekte, die Kampfszenen und animierte Monster angeht, kriegt "Vampire Acadamy" von mir einen Daumen nach unten, denn da ist recht wenig authentisch oder unglaublich echt aussehend. Geht man jedoch als Genrefan in den Streifen, dann wird man von dem ganzen Drama, dem ganzen Humor und der Situationskomik so unterhalten, dass man über die schlechten Actionszenen herzhaft lachen kann ohne sich zu ärgern oder den Film weniger zu genießen. Denn genau dann, wenn man denkt man hätte den Plot durchschaut, reißt einen dann doch die eine oder andere Wendung vom Kinosessel und lässt einen gut unterhalten und mit dem Drang die Romanvorlage zu lesen zurück.

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