[REZENSION] "Schmetterlinge im Gepäck" von Stephanie Perkins

 Lolas Leben ist nicht nur außergewöhnlich, sondern auch ziemlich toll: Sie lebt mit ihren zwei Vätern in San Francisco, zieht jeden Tag ein anderes ausgeflipptes Outfit an und hat einen coolen Rockmusiker als Freund! Doch als auf einmal ihre ehemaligen Nachbarn nach zwei Jahren Abwesenheit wieder in das Haus nebenan ziehen, steht ihre Welt Kopf. Denn nicht nur hat ihr Calliope damals die Freundschaft gekündigt, sondern vor allem ist deren Zwillingsbruder Cricket der Junge, der Lola vor zwei Jahren das Herz gebrochen hat …


Ich habe drei schlichte Wünsche. Die sind wirklich nicht zu viel verlangt. Der erste ist, angezogen wie Marie Antoinette zum Winterball zu gehen. Ich will eine kunstvolle Perücke, dass ein Kanarienvogel darin wohnen könnte, und ein richtig breites Kleid, mit dem ich den Ballsaal nur durch eine Flügeltür betreten kann. Wenn ich ankomme, werde ich aber meine Röcke ganz hochhalten, damit jeder die Springerstiefel mit Plateau sehen kann und weiß, dass ich unter den ganzen Rüschen eine harte Punkfrau bin.

Lolas Leben ist einzigartig und einfach cool: Sie lebt mit ihren zwei Vätern und schlüpft jeden Tag in eine andere Rolle: Mal ist es Kleopatra, mal eine Punkfrau und ganz bald soll es Marie Antoinette sein. Dazu ist schwebt sie auf Wolke 7 seit sie mit Max, der nebenbei sechs Jahre älter ist, zusammen ist. Morgens Kleider designen, abends Max Rockkonzerten lauschen: Lolas Zukunft verheißt nur Gutes. Bis Crickets Familie wieder in das Nachbarhaus zieht und Lola wieder schmerzhaft daran erinnert wird, dass sie immernoch nicht über ihrer erste (fast-)Liebe hinweggekommen ist. Irgendwo zwischen dem Gefühlstauziehen zwischen Max und Cricket und dem Auftauchen ihrer leiblichen Mutter Norah verliert die sonst so taffe Lola den Faden ... und muss nach sich selbst suchen. Was gar nicht so einfach ist unter all den Perücken und Kostümen.

Wie ich auch in der Rezension zu "Herzklopfen auf Französisch" kann ich auch hier Stephanie Perkins Schreibstil mit den Worten authentisch und leicht auf den Punkt genau beschreiben. Es ist ziemlich einfach Lolas Gedanken zu lauschen, denn trotz ihrer außergewöhnlichen Persönlichkeit, ist sie ein stinknormaler Teenager und so gestaltet die Autorin auch ihre Wortwahl. Witzig, frech und zum Dahinschmelzen dramatisch begleiten ihre Worte Lolas Leben und auch wenn es sich oft um ein überbewertetes Teenagerdrama handelt, greift Perkins nicht in die Kitschkiste. Hier macht es der Schreibstil! Ein gepunkteter, glitzernder mit Blümchen verzierter Rahmen, der dennoch genug Platz für die neongrün-blau-karierte Handlung lässt.
Stephanie Perkins ist zurück. Diesmal setzt die junge Autorin nicht auf eine romantische Kulisse,
sondern auf eine Protagonistin die keine Kulisse braucht, da sie mit ihrer verrückten Art das Scheinwerferlicht auf sich zieht. Denn Lola (eigentlich Dolores Nolan) hat so viel Wiedererkennungswert, dass ein spärlich beschriebenes San Francisco völlig ausreicht. Ihr ständiges Karnevalsspielchen ist dabei ziemlich unterhaltsam, ihr Mut zu so einem Modegeschmack bewundernswert und Lola ... im Inneren ein gewöhnlicher Teenager mit den Alltagsproblemen und dem ständigen Herumschlagen mit Jungs, Eltern und besten Freundinnen. Stephanie Perkins hat es nämlich auch mit "Schmetterlingen im Gepäck" geschafft eine rundum authentische Geschichte auf das Papier zu bringen, die peppiger und glitzernder nicht sein könnte.

Die beiden männlichen Protagonisten dagegen sind stereotypisch: Max, der heiße Badboy, der wilde Rockstar, der bei Lolas Anblick doch weich wird, und sogar die kritischen Blicke von zwei Vätern beim Brunch auf sich nimmt, nur um ihr nah zu sein und Cricket, ... der liebe, nette, wissenschaftsbesessene Junge von nebenan, der es mit einer großen Portion Modegeschmack dann doch geschafft hat, in Lolas Herz einzudringen. So tief, dass sie sich auch nach zwei Jahren und einer neuen Beziehung nach ihm verdreht. Was mich bei dieser Storyline überrascht hat, ist, dass sich die Autorin bei der Dreiecksbeziehung auf keine Seite stellt. So wird Max im Nachhinein nicht als typisches "Arschloch" bezeichnet und Cricket als der perfekte Traumtyp. Max Verhalten ist genauso nachvollziehbar, wie auch Lolas und Crickets, was "Schmetterlinge im Gepäck" viel mehr Dimensionen und wieder ein paar Punkte in Sachen Authentizität gibt, da es keinen Bösen oder Guten gibt: Es kommt, wie es halt kommt und das Herz hat das Sagen.

Nebenbei grüßen auch anderen Charaktere ab und zu mal den Leser und versüßen mit ihrem Aufreten das Lesevergnügen. Auch die Anzahl der Charaktere ist gut gewählt, sodass jeder Mal zu Wort kommt und die meisten auch kennzeichnende Charaktereigenschaften besitzen. Meine Favoriten sind da Lolas Mutter Norah, die durch ihre Ehrlichkeit und Entwicklung punkten kann und Lolas Väter, da sie Lola zu dem Menschen wachsen lassen, der sie werden will. Calliope Bells krankhafter Ehrgeiz und Lindeys Vorliebe für Detektivserien: Über alle ihre Charaktere weiß Stephanie Perkins etwas Bedeutendes zu sagen.
Und das allerbeste? Es gibt ein Comeback mit Anna und St.Clair aus "Herzklopfen auf Französisch", was mich sehr gefreut hat, da ich der Meinung bin das gute Romane einfach viel zu schnell enden und alles das, was danach kommt in den Sternen steht.

Doch leider ist "Schmetterlinge im Gepäck" kein makelloses Werk, was zunächst gar nicht so sehr an der Umsetzung liegt, sondern an zu wenig durchdachter Planung. Nachdem in den ersten Seiten die Geschichte aufgebauscht wird, in der Cricket Lola auf schrecklicher Weise das Herz bricht, war mir bei der Enthüllung dieser zum Lachen zumute. Ehrlich, unter einem schlimmen Herzensbruch verstehe ich etwas anderes. Fehlte der Autorin da vielleicht an Kreativität? Übertreibungen sind in dem Fall auch keine Lösung. Zuletzt fehlte trotz der süßen Überraschungen, die dieser Roman bereithält das gewisse Etwas, was mich vom Hocker haut. Weder die Charaktere, noch die Liebesgeschichte konnte mich persönlich von oben bis unten einnehmen, auch wenn sie mir gut gefallen haben.

Ein zuckersüßes, kunterbuntes Frühlingsvergnügen, was hier in Form eines durchschnittlichen Taschenbuchs daherkommt. Lasst euch nicht vom kitschbeladenen Titel oder dem fahlen Cover täuschen, denn die Geschichte um Lola könnte aus dem Leben selbst gegriffen sein: Ein Gefühlshin- und her und Väter-Tochter-Probleme, die jeder aus dem eigenen Alltag kennt - sogar Dolores Nolan und ihre beiden Väter. Leider war Stephanie Perkins mit der angenehmen Schlichtheit ihres Romanes nicht ganz zufrieden, so machte sie prompt aus einer Mücke einen Elefanten und steuert schon zu Beginn auf eine große Aufklärung hin, die sehr früh sehr spärlich ausfällt. Auch die Nebencharaktere wissen in "Schmetterlinge im Gepäck" zu glänzen, wenn auch die Kirsche auf dem Eis, oder die Perücke beim Marie Antoinette Köstum gefehlt hat. Somit ein wunderschönes, jugendliches Buch für zwischendurch. Aber so richtig vom Hocker reißen und die Leserherzen im Sturm erobern ist bei "Schmetterlinge im Gepäck" einfach nicht drin.


Stephanie Perkins wurde in Norh Carolina geboren und wuchs in Arizona auf. Sie studierte in San Francisco und Atlanta. Zu Büchern hatte sie schon immer eine ganz besondere Verbindung und so arbeitete sie auch von Anfang an mit diesen. Zunächst als Buchhändlerin, dann als Bibliotherkarin. Sie liebt spannende Abenteuer, Mocca Latte, Märchen, laute Musik, Nachmittagsschläfchen und Küssen. "Herzklopfen auf Französisch" ist ihr Debütroman. Heute lebt die Autorin mit ihrem Mann in den Bergen von North Carolina. [via Lovelybooks]

http://storiesdreamsbooks.blogspot.de/2012/09/rezension-herzklopfen-auf-franzosisch.html

Ich bedanke mich sehr herzlich bei der freundlichen Bereitstellung des Rezensionsexemplares bei
Be First to Post Comment !
Kommentar veröffentlichen