[TALK ABOUT...] Ein Roman - Portrait des Autors?

In den Weiten der Literaturwelt steht eine Sache einfach fest: Roman ist nicht gleich Roman. Auch wenn wir vielleicht eher auf die Jugendliteratur stoßen, bei der sich die gehypten Romane sehr ähneln, gibt es wirklich alles mögliche: Von E-Mail oder Briefromanen, über Romanen, die eigentlich nur aus einem einzigen Tagebuch bestehen,  - oder nur aus Dialogen -, bis hin zu welchen mit wechselndem oder Unbekanntem Erzähler. Manchmal gibt es nur zwei Dinge, die zwei Romane gemeinsam haben und das sind die Vorraussetungen (wie ich es nennen würde), damit man es erst Roman nennen kann: Es gibt einen Autor und einen Protagonisten.


Denn auch wenn es Romane gibt, die mehrere Protagonisten haben, oder vielleicht einen, von dem man nichts weiß, ist diese Figur (oder diese Figuren) das Einzige, was man für ein literarisches Werk braucht. Sie sind das nächste, an das wir beim Lesen kommen und stehen immer zwischen uns und der Handlung - egal ob es jetzt ein sehr tiefgründiges oder ein sehr oberflächiges Buch ist- . Sie sind unser Guckloch, der Schlüssel in den ganzen Plot, das Einzige, an das wir uns in der Geschichte klammern können und auch wenn ich in sehr vielen Rezensionen Sachen lese wie "Der Protagonist war unauthentisch, ohne ihn wäre die Geschichte spannender gewesen" kommt nur das bei uns an, was die Erzählerfigur zulässt.

Aber darum soll es in diesem Post eigentlich gar nicht gehen. Viel mehr um die Frage "Wer ist dieser Protagonist eigentlich?" Jeder von euch hat sich bestimmt mal in die Rolle eines Autors versetzt, oder? Bei wem habt ihr euch beim Erschaffen des Protagonisten die Inspiration geholt?
Viele Autoren antworten da so drauf: "Bei niemandem, mein Protagonist ist frei erfunden, von oben bis unten. Schön & gut, ich glaube ihnen jedes Mal.

Es war nur ein Zitat aus "The Picture of Dorian Grey", was mich aufhorchen ließ:  
Every portrait that is painted with feeling is a portrait of the artist, not of the sitter. The sitter is merely the accident, the occasion. It is not he who is revealed by the painter; it is rather the painter who, on the coloured canvas, reveals himself. The reason I will not exhibit this picture is that I am afraid that I have shown in it the secret of my own soul
Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich kann an diesen Worten nicht vorbeigehen, ohne kurz stehen zu bleiben und ihnen in die Augen blicken. Kann man eine Figur erfinden, die es überhaupt gar nicht gibt? Sind die Protagonisten nicht einfach aus verschiedenen Persönlichkeiten zusammenbastelt? Oder sogar das idealisierte Profil von sich selbst? Ohne Beweise, sondern nur mit ein zwei Beispielen, glaube ich, dass ein Roman genau das ist: Das Portrait des Autors. (Unbewusst natürlich, ich will hier niemanden als Lügner darstellen!) Und dass der Leser nach Beenden des Romanes gar nicht die Charaktere am Besten kennt, sondern den Autor, aus dessen Augen er die ganze Zeit aus die Welt betrachtet hat.

Wie seht ihr das? Könnt ihr daran glauben oder denkt ihr, dass das totaler Bullshit ist? Ist euch das bei einigen Romanen vielleicht aufgefallen? Schreibt es doch in die Kommentare, mich interessieren Meinungen zu diesem Thema wirklich sehr! Könntet ihr euch einen Roman ohne Protagonisten vorstellen?
Kommentare on "[TALK ABOUT...] Ein Roman - Portrait des Autors?"
  1. Huhu^^
    wirklich interessanter Post. Also ich habe lange hin- und herüberlegt. Ich schreibe selber gerne Geschichten, manchmal werden daraus auch mal 100 Seiten. Es ist nie etwas Ernsthaftes, mehr so zum Spaß :D Mir ist immer wieder aufgefallen, dass ich meinen Protagonisten Charaktereigenschaften aufdrücke, die ich selber gerne hätte oder auch auch ein Aussehen verpasse, was mich selber ansprechen würde. Ich würde wohl nie auf die Idee kommen, eine weibliche Hauptfigur zu erschaffen, die mir absolut zuwider ist. Deswegen denke ich schon, dass der Autor viel von sich verrät, wenn er Figuren kreiert. Natürlich kann ich jetzt nur von mir sprechen...ich weiß ja nicht, wie es in 'richtigen' Autore aussieht :D
    Übrigens, schöner Blog :)
    Liebe Grüße,
    Ebru

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    1. Ja, so sehe ich das auch. Ich glaube, dass zwischen Anfängerautoren und "richtigen" (wie du sie nennst) eigentlich kein Unterschied bis auf die Erfahrung und die Qualität gibt. Ich kann mir das Gegenteil einfach nicht vorstellen, genau wie du es sagts ;)

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