[REZENSION] Frostblüte von Zoë Marriott


http://www.amazon.de/Frostbl%C3%BCte-Zo%C3%AB-Marriott/dp/3551312702/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1389192222&sr=8-1&keywords=frostbl%C3%BCtehttp://www.zoemarriott.com/

Frost lässt keinen an sich heran – aus gutem Grund: Sie trägt einen Wolfsdämon in sich, der immer dann hervorbricht und sie wahllos töten lässt, wenn sie verletzt oder von Gefühlen überwältigt wird. Als sie sich notgedrungen einer Schar Krieger anschließt, die das Königreich vor Aufständischen schützen, weckt sie schnell das Interesse von Luca, dem Anführer, und das Misstrauen von Arian, seinem besten Freund. Beide Männer spüren, dass sie etwas verbirgt. Und Frost ahnt bald, dass einer von ihnen das Feuer ihrer Gefühle entfachen wird. Doch zu welchem Preis? Eine Heldin zum Niederknien – fragil und stark zugleich. Eine Geschichte zum Mitfiebern – beim Kampf gegen gnadenlose Schurken und innere Dämonen. Ein Buch zum Schwelgen und Verschlingen – voller unerwarteter Freundschaft, schwerer Entscheidungen und zarter, bittersüßer Liebe.

Als der Wolf das erste Mal von mir Besitz ergriff, war ich acht.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich für normal gehalten. Auch wenn mich die anderen Kinder manchmal verspotteten, mich "Vaterlose", "Namenlose" schimpften, konnten mir ihre Worte nichts anhaben, weil sie nicht zutrafen. Ich hatte einen Vater. Er war der große Jäger, den die Fangzähne des Dämonenwolfes vor meiner Geburts besiegt hatten. Jeder kannte seinen Namne. Ich war stolz darauf Garin Aeskaars Tochter zu sein.

Frosts Leben ist eine einzige Flucht, denn schon als junges Mädchen wurde sie von ihrem Dorf gejagt und auch von ihrer eigenen Mutter nie richtig akzeptiert. Vorallem fürchtet sie sich aber vor sich selbst und sieht ihre Einsamkeit als einzige Lösung. Denn in Frost steckt der Geist eines Wolfsdämonen, der immer dann ausbricht und die komplette Kontrolle über ihren Körper übernimmt, wenn sie verletzt wird und ihr eigenes Blut sieht. Doch als sie während einer Durchreise versucht zwei Soldaten vor Räubern zu beschützen, nehmen diese sie zu ihrem Lager mit und so lernt sie Luca und Arian kennen, die dort eine Gruppe von Kriegern ausbilden, um die schreckliche Regierung im Land zu kippen. Von da an ändert sich Frosts Leben komplett und sie steht vor einer Entscheidung, die sie nur dann lösen kann, wenn sie herausfindet, wer sie ist und für was sie kämpfen will.

Die Fantasyliteraturwelt ist mittlerweile schon so durchgekaut, dass es kaum noch ganz neue Ideen gibt. Wenn man Glück hat, dann findet man mal einen Roman, der noch Eigentanteil besitzt und nicht eine Mischung aus verschiedenen Fantasyromanen ist, die dann sofort aus dem Gedächnis schwindet. Auch "Frostblüte"'s Grundidee ist keine neue, aber dennoch nicht gewöhnlich, alt bekannt oder stereotypisch. Marriott verdreht in ihrem Roman nämlich einige Rollen und hält mit ihrer eigenartigen Protagonistin eine Gefühlswelt bereit, die ich so noch nicht kannte.

Frost ist nämlich nicht nur ihres Namens wegen ein Geheimnis, sondern auch ihre verstörende und einzigartige Vorgeschichte weckt das Interesse an ihr. Durch ihren Fluch, der sie plötzlich jede Kontrolle über ihren Körper verlieren und grausame Dinge tun lässt, wurde Frost von ihrem Dorf gejagt mit der Absicht sie zu verbrennen, um den Dämon in ihr zu töten. So flieht sie seit Jahren und traut sich nicht mehr in die Nähe von Menschen aus Angst sie zu verletzen. Allein durch ihre Merkmale ist klar, dass diese Protagonistin keine Bella Swan ist, sondern in der Liebesgeschichte ein Stück weit die Rolle des Edward einnimmt, das Ungeheuer, welches sich selbst nicht trauen will. So einen Charakter einmal zum Protagonisten zu ernennen, ist seltsam erfrischend und Frosts Gedanken, Ängste und Gefühle somit sehr tiefgründig und menschlich, wenn auch ziemlich fremd.
Bei der Ausarbeitung von Frosts Charakter hat Marriott alles richtig gemacht, sodass sie gleichzeitig dreidimensional, sehr authentisch und außergewöhnlich ist. Nicht ganz so präzise und überzeugend, aber dennoch ziemlich authentisch nimmt Luca die Rolle des männlichen Protagonisten ein und ist mir persönlich sehr sympathisch, da er nicht den stereotypische Badboy darstellt, der mittlerweile Kern jedes zweiten Romanes ist. Luca ist zielstrebig und sanft und endlich mal ein Charakter, der ganz genau weiß, was er will. Daneben spielen auch andere Personen mit in den Plot, die dann aber schließlich als Persönlichkeit ziemlich blass erscheinen und im Vergleich zu Frost und Luca etwas vernachlässigt werden, wie z.B. Arian, die Ursache des Liebesdreiecks (welches hier ehrlich gesagt nicht mal richtig ausgenutzt, sondern ziemlich schnell beendet wurde), Frosts Eltern und auch der Wolfsdämon.

Vorallem letztere beiden sorgen für durchgehende Spannung und vielen Fragezeichen, die erst beim Finale beantwortet werden, sodass das Potential vollständig ausgeschöpft wird. Auch die historische Atmosphäre, die an vergangene Epochen erinnert, trägt zum Lesegenuss bei und kennzeichnet den Roman dadurch aus. Dennoch wirkt das Finale ziemlich karg und enttäuschend, hinsichtlich der vielen Andeutungen, die letztendlich mehr versprechen, als der Roman zu bieten hat. Relativ schnell handelt die Autorin die finale "Schlacht" ab und ehe man sich versieht ist der Roman vorbei. Ohne richtigen Höhepunkt und mit weniger Antworten, als man sich erhofft.

Dazu "vergisst" die Autorin sogar die Welt zu erklären, in der "Frostblüte"spielt. In welcher Zeit befinden wir uns? Wie kam es zu dieser Regierung und was zeichnet die Gesellschaft aus? All diese Antworten, die der Geschichte Kontur geben, sind nicht gegeben. Somit ist diese Dystopie mit ganz viel Plot, Inhalt und Spannung gefüllt, noch bevor es ein Grundgerüst besitzt. Nach knapp 400 Seiten weiß ich also immer noch praktisch nichts über die dystopische Welt und fühle mich kaum in die Geschichte integriert.

Mit viel Spannung, vielen Fragen und einer sehr besonderen Protagonistin zeichnet sich "Frostblüte" sehr wohl von anderen Fantasyromanen ab. Frost ist durch ihre prägende Vergangenheit ein Charakter der keinem Protagonistenklischee entspricht und auch ihr Gegenpart Luca ist durch seine markanten Charaktereigenschaften sehr sympathisch. Allerdings folgen auf die Fragen keine Antworten sogar noch mehr Fragen und dazu ist der Weltentwurf so karg, dass dem Buch der komplette Grundriss fehlt.

 Zoë Marriott lebt im Nordosten von Lincolnshire, zusammen mit ihren zwei Katzen Echo und Hero und ihrem Hund Finn. FROSTBLÜTE ist ihre erste Veröffentlichung in deutscher Sprache, erschienen im Carlsen Verlag. [via Carlsen]  
 Außerdem führt sie noch den privaten Buchblog "The Zoë-Trope".






Ich bedanke mich sehr herzlich für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares bei
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