[REZENSION] Blue Secrets - Der Kuss des Meeres

Als Emma den süßen Galen zum ersten Mal sieht, fallen ihr sofort seine violetten Augen auf – denn ihre haben dieselbe Farbe. Und tatsächlich bergen sie ein Geheimnis: Galen ist nämlich ein Syrena, Prinz der Meere, und er spürt eine heftige Anziehung zu diesem Menschenmädchen, das mit den Fischen reden kann! Das kann nur eines bedeuten: Auch in ihren Adern fließt das Blut der Syrena. Doch falls sein Verdacht sich bestätigt, ist Emma eine Erbin Poseidons – und damit für einen anderen bestimmt … [via Randomhouse]


Ich krache gegen ihn, als hättr mich jemand von hinten geschubst. Aber er weicht nicht zurück, nicht einen Zentimeter. Er hält mich nur an den Schultern fest und wartet. Vielleicht darafu, dass ich mein Gleichgewicht wiederfinde. Vielleicht darauf, dass ich mich fange. Ich hoffe, er hat den ganzen Tag Zeit.

Anna Banks Schreibstil ist sehr gewöhnungsbedürftig. Mehrere Seiten habe ich gebraucht, bis ich mich an die seltsam abgehackten Sätze gewöhnt habe, die weder irgendeine tiefere Bedeutung für den Inhalt haben können, noch dafür dienten dem Leser den Einstieg zu erleichtern. Auf jeden Fall wurde es besser, wenn es auch an einigen Stellen sehr schwierig und holprig zu lesen war und plötzlich im Paragraphen eine neue Thematik besprochen wurde, sodass es den Lesefluss um einiges einschränkte und es regelrecht richtige Konzentration verlangt, um der Handlung folgen zu können.

Nie hätte Emma gedacht, dass ihr Leben sich nach dem einen Urlaub mit ihrer besten Freundin Chloe und ihrer Familie so stark verändern würde: Chloe ist tot und plötzlich taucht Galen Forza, den sie mit Chloe in Florida kennengelernt hat, auf ihrer Schule auf. Nur ein Zufall? Denn noch nie hatte Emma sich so in der Gegenwart einer anderen Person gefühlt, wie bei Galen. Sie spürt ihn, wann immer er in ihrer Nähe ist und er scheint mehr über sie zu wissen, als sie. Als Galen ihr erzählt, dass er ein Syrena ist und dass auch sie Syrenablut in ihren Adern hat, begibt sich Emma zusammen mit Galen auf die Suche nach ihrer Herkunft.

US-Cover
Von fantastischen Welten kann man heute überall lesen, die Ideen für einen Fantasyroman nehmen kein Ende und immer wenn man glaubt, man hätte schon jeden möglichen Hype und jedes mögliche Fabelwesen kennengelernt, dann beweist irgendein Autor, dass man sich gewaltig getäuscht hat. Vampire, Werwölfe, Schattenjäger, Engel und jetzt auch ... Meerjungfrauen?  Fast!

In "Blue Secrets - Der Kuss des Meeres" entführt Anna Banks die Leser in die Welt der Syrena, die eigentlich so ziemlich unserer Vorstellung von Meerjungfrauen und Meermännern entsprechen, aber nur Syrena genannt werden wollen. Hinter diesem Namen verbirgt sich aber viel mehr, die Syrena haben ihre eigene Geschichte, Kultur, Streitigkeiten zwischen zwei politischen Seiten und auch eine Regierung, die verbietet, dass Syrena Kontakt zu Menschen haben. Ausgeschlossen von diesem Gesetz ist Syrenaprinz Galen, der als Botschafter dient und die Menschen im Auge behält. Doch als er an der Küste von Florida auf Emma trifft, kann er kaum noch die Augen von ihr lassen, spürt einen Sog den er sonst nie gespürt hat und so beginnt die (Liebes-)Geschichte in "Blue Secrets".

Der Roman lebt von einem ständigen Perspektivenwechsel, mal erleben wir alles aus Emmas (zumindest hauptsächlich) menschlichen Augen, mal aus Galens Syrena-Augen, was für ein gutes Gesamtbild sorgt, die menschliche und die nichtmenschliche Welt verbindet, aber den Lesern auch die Möglichkeit nimmt an Emmas Seite Stück für Stück die Welt unter Wasser zu erkunden, weil man schon vieles vorab durch Galen weiß und so verliert es da viel an Spannung. Obwohl der Perspektivenwechsel den Roman am Leben erhält und frischen Wind in die Seiten bringt, sind Emma und Galen leider einfach nicht die Charaktere aus deren Sicht man gerne einen Roman liest. Sie sind beide sehr flache und eindimensionale Charaktere und wirken aufgesetzt. Auch wenn sie beide eine ganz gut ausgearbeitete Vergangenheit haben, machen sie durch ihre Taten und Worte das Bisschen Authentizität zu nichte und senkten so ihre sympathische Wirkung nach spätestens 100 Seiten auf null. Das liegt zum einen an den Dialogen, die oft komplett aus dem Kontext herausgerissen sind und man somit an einigen Stellen nur ansatzweise mitkommt, im späteren Verlauf der Geschichte nicht selten auch gar nicht mehr. Zum anderen auch an der Liebesgeschichte, die kindlicher und weltfremder nicht sein könnte: Es ist das typische "Ich kenne ihn/sie erst seit einem Monat, aber ich weiß es ist die wahre Liebe"-Schema, was mich so oft die Augen verdrehen lassen hat. Und dabei passiert in diesem Monat zwischen den beiden kaum etwas; das Einzige, was die beiden von ihrer großen Liebe überzeugt, ist diese "knisternde Verbindung", die sie spüren.
An dieser Stelle dachte ich, es kann in dieser Hinsicht nicht schlimmer werden, aber mit Emmas Mutter übertrifft die Autorin sogar ihre beiden Protagonisten. Emmas Mutter ist so unrealistisch und oftmals lächerlich, dass mir ihre Worte oftmals vorkamen wie ein Witz. SPOILER Welche Mutter fragt beim ersten Kennenlernen des Freundes ihrer 18-jährigen Tochter, ob er mit ihr schläft? Und wie kann die Reaktion auf ein "nein", "Warum, willst du etwa sagen, dass etwas nicht mit ihr stimmt?" lauten? SPOILER ENDE.
Der einzige Lichtblick in der misslungenen Charakterewelt von "Blue Secrets" ist der Syrena Toraf, Galens bester Freund, der schon seit Kindertagen in Galens Zwillingsschwester Rayna verliebt ist. Er ist gutmütig, wenn auch nicht besonders intelligent, hält aber genau das ein, was ich mir von einem netten, witzigen Jugendlichen verspreche und gibt dem Roman einen Hauch Bodenständigkeit.

Denkt aber nicht, ich versuche am Roman kein gutes Haar mehr zu lassen, denn die Grundidee und die Handlung sind gut genug, um Unterhaltung zu bieten und die Anforderungen für einen einfachen Fantasyroman zu erfüllen. Die Welt der Syrena ist eine noch sehr frische und beherbergt viele interessante Details, für die es sich lohnt, das Buch zu beenden. Auch der miese Cliffhanger lässt vermuten, dass es da noch mehr Geheimnisse gibt, denen ich trotz der schlechten Umsetzung der Charaktere gerne auf den Grund gehen würde.

"Blue Secrets - Der Kuss des Meeres" ist mit Abstand nicht die Rafinesse der Fan
tasyliteratur. Die Charaktere sind bis auf Ausnahmen flach und realitätsfern, genau wie die Dialoge, die oft nicht zur Situation passen oder einfach aufgesetzt wirken. Auch Anna Banks Schreibstil liest sich an einigen Stellen holprig und lässt noch zu wünschen übrig. Dennoch kann der Debutroman unterhalten und bringt mit der Geschichte um die Syrena eine neue, spannende und auch gut ausgearbeitete Grundidee in das Universum der Fantasyliteratur. Auf mich macht es den Eindruck, als würde die Geschichte erst gegen Ende ihre wahre Gestalt nehmen, weshalb ich die Hoffnung nicht aufgebe, dass Teil 2 der Trilogie (engl.:"Of Triton") vielleicht etwas mehr zu bieten hat.

Ich bedanke mich herzlich für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares bei
Kommentare on "[REZENSION] Blue Secrets - Der Kuss des Meeres"
  1. Da ich "Teamwechsel" ja als kostenloses ebook gelesen habe und eigentlich gar nicht auf ebooks stehe und sie nur in meiner Kindle App versauern, habe ich mir das Buch und die Sichtweise von Ryan Hunter gleich als Taschenbücher bestellt. :DD Also warte ich drauf, dass sie endlich ankommen. ♥

    Liebe Grüße
    Sarah

    AntwortenLöschen
  2. Oh, die Inhaltsangabe hat sehr verlockend geklungen, schade :( Keine Ahnung, ob ich's jetzt noch lesen sollte, soll ich? Ich versuche es zumindest, zwei Herzchen sind mehr als eins :)

    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mhh, ja es ist ja unterhaltend, aber halt nicht fesselnd oder so, dass man Fan des Buchs sein kann (zumindest ich). Es hat mich nicht genervt, ich fand es manchmal eher witzig wie blöd sich die Charaktere benommen haben. Wenn du mal was für zwischendurch brauchst und die Thematik magst - klar! Passt ja übrigens auch sehr gut zu deinem Blog ;)

      Löschen