[REZENSION] Enders

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Die 16-jährige Callie lebt in einer Welt, in der eine unheimliche Katastrophe alle getötet hat, die nicht schnell genug geimpft werden konnten – nur sehr junge und sehr alte Menschen haben überlebt. Während die Alten ihren Reichtum seitdem stetig mehren, verfallen die Jungen einer anscheinend ausweglosen Armut. Die einzige Möglichkeit für die jugendlichen Starters, an Geld zu kommen, war bislang die Body Bank. Dort konnten sie ihre Körper an alte Menschen vermieten, um so ihr Überleben zu sichern. Callie ist es gelungen, die Machenschaften des skrupellosen Instituts zu stoppen. Doch nun sieht sie sich einer viel größeren Gefahr gegenüber: Der Old Man, der mysteriöse Leiter der Body Bank, ist entkommen und trachtet Callie nach dem Leben. In einer erbarmungslosen Jagd wird ihr klar, dass das Geheimnis des Old Man dunkler ist, als sie es jemals erahnen konnte. Denn der Schlüssel dazu liegt in ihrer eigenen Vergangenheit verborgen. [via lovelybooks]
Als ich mit der Hand über meinen Hinterkopf strich, hätte ich schwören können, dass ich den Chip unter der Haut spürte.
Achtung! Bitte lest nicht weiter, wenn ihr den Vorband "Starters" noch nicht gelesen habt, da diese Rezension Hinweise auf den Ausgang dessen geben könnte. 

Mit der Zerstörung von Prime Destinations wiegt Callie schon sich und ihren Bruder in Sicherheit und freut
sich auf ein ruhiges Leben in dem Haus, was Helena ihr vererbt hat. Das Einzige woran sie denkt ist, Helenas Enkelin Emma zu finden, um ihr Versprechen einzuhalten. Doch plötzlich kommen Gefahren und Probleme auf sie zu, als sich die Stimme des Old Man in ihrem Kopf meldet und immer wieder beweist, was für eine große Macht er noch über alle Metallos, die ehemaligen Spender, hat. Das, was Callie beschützt, ist, dass der Old Man unbedingt ihren einzigartigen Chip untersuchen muss und ihr nichts antun kann. Was ihn aber nicht daran hindert ihr ständig mit dem Tod geliebter Menschen zu drohen. Und so beschließt Callie ihn aufzuspüren und ihn dafür zu bestrafen. Geholfen wird ihr dabei von Hyden, der ein Genie in der Chiptechnologie ist, und, dazu auch noch zugibt, der Sohn des Old Man zu sein. Wem kann Callie noch trauen?

"Enders" ist der zweite Teil und gleichzeitig auch Abschluss der "Starters - Enders"-Dilogie von Lissa Price und schließt direkt am Vorband an. Nach dem Cliffhanger des Vorbandes findet man sich zusammen mit Callie vor tausend Unsicherheiten und Bedrohungen wieder und kann es kaum fassen, dass die Zerstörung der Body Bank, doch nicht das Ende dieses Alptraumes ist. Vor so vielen Problemen stehend, will man ja meinen, dass Callie besonders emotional wird und dadurch wenigstens der Leser hinter die harte Schale blicken kann, da sie schließlich die Geschichte erzählt. Doch leider bleibt das dem Leser erspart, denn Callie hat weiterhin ein relativ kühles Verhältnis zu den Lesern. Tyler, der, meiner Meinung nach, lebhafteste Charakter des Buches, der schon in "Starters"  meine Sympathie gewonnen hat, bekam auch nicht viel vom Scheinwerferlicht ab. 
 Dafür lernt man aber Hyden kennen und der hat so viele Geheimnisse, das Callies ganzes Leben, neben ein paar seiner Lebensjahre sehr blass aussieht. Mit ihm hat die Autorin einen sehr außergewöhnlichen und vorallem interessanten Charakter geschaffen, der auf jeden Fall Wiedererkennungswert hat und somit ein kleines Highlight in "Enders" ist.

Mit Hyden ist das Liebesdreieck quasi auf dem Silbertablett serviert, und doch hatte ich nie das Gefühl, dass die Autorin darauf hinauswill. In meinem Fall fände ich das überhaupt nicht schlimm, -im Gegenteil!- aber es war so etwas dazwischen und wer hier was für wen empfindet ist nicht ganz klar geworden. Die Liebe ist in "Enders" insgesamt sehr kühl beschrieben und steht einfach im Hintergrund, was wirklich eine angenehme Abwechslung ist. Lissa Price versucht nämlich mit ihrem Plot zu punkten, was ihr wirklich gelingt: Eine Überraschung jagt die nächste und es kommen so viele verwirrende Wahrheiten an die Oberfläche, dass ich oftmals "Enders" einfach weglegen musste, um alles zu ordnen und zu verarbeiten. Kaum dachte ich, ich wüsste, wer bei diesem Körpertauschsalat, wer ist, packt Hyden wieder die nächste Nachricht aus dem Koffer und mir wurde klar, wie sehr ich in "Starters" an der Nase rumgeführt wurde.
Auch an Action fehlt es nicht. Callie & Co. geraten ständig in die Hände irgendwelcher Chipuntersucher oder versuchen in wilden Verfolgungsjagden ihre Gegner abzuhängen, was sicher einen Großteil des Lesevergnügens ausmacht, den "Enders" bieten kann.

Der Schreibstil ist einfach und schlicht gehalten, was wieder einen Nachteil hat: Wie auch in "Starters" schafft er es nicht die Distanz zu der Protagonistin zu überbrücken und verhindert es, Callie ins Herz schließen zu können. Wäre ein bisschen mehr Gefühl und Poesie in die Worte gelegt worden, dann wäre "Starters" als Gesamtpaket mit sicherheit lesernaher und schlichtweg unterhaltsamer.

Das Ende der Dilogie bleibt im großen und ganzen Muster des Startes gleich. Mit einem sehr actionreichen und unvorhersehbaren Plot schafft es Lissa Price dem Roman viel Spannung zu geben und auch mit Hyden, hat sie eine Charaktere in die Literaturwelt gesetzt, die eindeutig Wiedererkennungswert hat. Doch leider fehlte der Charme, der ein ordentliches Buch zu einem guten oder sogar sehr guten Buch macht. Auch nach dem zweiten Band konnte ich Callie nicht so nah kommen, wie es bei Protagonisten üblich ist, und der Schreibstil trägt dazu auch einen großen Teil bei. Ein bisschen mehr Gefühl in Lissas Price so trockener Feder hätte ihrer Dilogie sichtlich gut getan. Dennoch bietet "Enders" Lesevergnügen und ist im Dystopiebereich lesenswert.

Die US-amerikanische Autorin Lissa Price lebt heute, nach mehrern Aufenthalten in Japan und Indien, mit ihrem Mann in Kalifornien. Von Beruf ist sie Drehbuchautorin. Ihr Erstlingswerk "Starters" ist eines der höchstgehandelten Debüts der letzten Jahre. Der Roman erscheint weltweit im April 2012. Mit "Enders" erscheint im November 2012 nicht nur ihr zweiter Roman. Das Buch bildet gleichzeitig die Fortsetzung und den Abschluss ihres Debütromans "Starters". [via lovelybooks]



Ich bedanke mich herzlich für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares bei
Kommentare on "[REZENSION] Enders"
  1. Hallo,
    mir hat die Reihe gut gefallen - mich hat es, da kann ich dir zustimmen, auch nicht gestört, das die persönliche Liebesbeziehung kein zentrales Element darstellt. Ich persönlich hatte mit der Nähe zu Callie weniger Probleme, da mich die Handlung doch stärker gefesselt hat. So fand ich beispielsweise die Darstellung der Kontrolle durch eine fremde Person sehr eindrucksvoll beschrieben. Eine gute Reihe, die nicht ein überragendes Buch darstellt, aber trotzdem hohen Unterhaltungswert hat.

    Liebe Grüße,
    Patricia

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    1. Stimmt, das mit der Kontrolle war wirklich sehr übersichtlich und einfach dargestellt. Ich bin froh, dass es dir besser gefallen hat als mir, aber mir ist es immer sehr wichtig, dass ich mich in die Protagonistin hineinversetzen kann und das war bei Enders nicht so. Sonst wäre es wirklich ein klasse Buch. Unterhaltend ist es allemal!

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