[INTERVIEW] Willkommen bei "Stories Dreams Books", Lena Klassen! oder: Eure Fragen an die "Wild"-Autorin

Erinnert ihr euch an den Post, indem ihr Fragen stellen konntet, die Autorin Lena Klassen beantworten soll? Denn nun ist es endlich so weit und ich habe einige eurer Fragen weitergeleitet - die meisten, aber manche musste ich aussortieren - und sie hat sie sehr ausführlich und sympathisch beantwortet, wie ich finde. Mir persönlich gefällt auch Lenas Einstellung zu den Dystopien sehr. Aber in dem Interview findet ihr außerdem ein paar Tipps für angehende Autoren und auch anderes Bookiezeugs. Ich hoffe, es gefällt euch!

Hallo Lena! Ich freue mich sehr dich interviewen zu dürfen. In einem Post habe ich die Leser von „Stories Dreams Books“ gefragt, was sie denn von dir wissen wollen und dabei kamen viele interessante Fragen heraus. Aber zuerst: Würdest du dich einmal kurz vorstellen? Was schreibst du für Romane und was tust du neben dem Schreiben noch?
Hallo, mein Name ist Lena Klassen und ich schreibe Bücher. Am liebsten Fantasy, sowohl die klassische Variante, die in erdachten Welten spielt, als auch Phantastik, wo in dieser Welt etwas Übernatürliches passiert oder übernatürliche Gestalten auftreten, wie z.B. Vampire. Daneben schreibe ich auch gerne für Kinder. Ich lese querbeet und probiere daher auch beim Schreiben immer wieder gerne etwas Neues aus. Zeit für viele Hobbys bleibt mir nicht, aber ich bin gerne in der Natur (spazieren gehen, Garten), liebe Kino, Musik hören und neue Teesorten, außerdem haben wir drei Katzen.
Mehr über mich und meine Romane erfahrt ihr auf meiner Homepage: www.lenaklassen.de
Was hat dich zu der Geschichte um Pi inspiriert?
Der Roman beruht auf einer Kurzgeschichte, die ich vor Jahren geschrieben habe – darin ging es um eine Gesellschaft, in der jeder Gefühle und Tugenden wie z.B. Gehorsam als Pille schlucken muss, und dann geht etwas schief ... Vor ca. drei Jahren war für mich der  Zeitpunkt da, diese Idee aufzugreifen und daraus mehr zu machen.  Sobald ich Pi vor Augen hatte, wollte ich unbedingt ihre Geschichte erzählen. Warum Pi plötzlich da war und meine Aufmerksamkeit wollte, weiß ich nicht. So etwas passiert mir andauernd.
Wie glaubst du könnte die Welt in 100 Jahren aussehen? Hältst du die Idee mit den Glücksspritzen für möglich?
Ich kann natürlich nicht in die Zukunft sehen. Und ganz ehrlich, ich glaube, eine Dystopie hat gar nicht so viel mit der Zukunft zu tun, sondern viel mehr mit der Gegenwart. Es ist ja jetzt schon so, dass sich Leute lieber zudröhnen, statt Gefühle wie Schmerz und Trauer zuzulassen.  Dass sie die künstliche Welt des Internets der richtigen vorziehen; in Fern“beziehungen“ wird man eben nicht so schnell verletzt wie von den echten Menschen, die einem nahekommen dürfen. Auch jetzt schon wird Perfektion erwartet und viele Mädchen werden magersüchtig, um dem Ideal zu entsprechen. Kinder, die zu anstrengend sind, bekommen Medikamente. Geht es in der Gesellschaft  nicht schon heute oft nur darum, oberflächlich glücklich zu sein, statt Verantwortung zu übernehmen oder sich ernsthaft mit Fragen des Lebens auseinanderzusetzen? In „Wild“ ist das alles natürlich etwas überspitzt dargestellt. Dass die Leute in der Zukunft immer oberflächlicher werden und ihrem Glück nachhelfen, kann ich mir also durchaus vorstellen. Ich denke aber, dass es auch immer Gegenbewegungen dazu geben wird, Menschen, die authentisch leben wollen.
Erkennst du dich in Pi wieder, hat dich eine Person zu ihr inspiriert oder ist ihr Charakter völlig frei erfunden?
Pi ist erfunden, wie alle meine Figuren. Wie viel von mir in ihr steckt, könnte ich gar nicht sagen, das analysiere ich nicht. Hauptsache, ich kann mich in eine Figur gut hineinversetzen. Beim Schreiben frage ich mich nicht: Wie würde ich in dieser Situation handeln, sondern: Was würde sie jetzt tun?
Gibt es eine Charaktere in dem Roman, die du am meisten oder am wenigsten magst?
Ich mag Pi sehr gerne, weil sie viel stärker ist, als sie anfangs weiß.  Orion ist mein absoluter Liebling. Und ich mag Moon, weil ich finde, dass fiese Charaktere dazugehören, sonst wäre es langweilig.  In meinen Büchern mag ich meistens auch die üblen Typen. Was ich nicht ausstehen kann, ist die ganze Meute kichernder, glücklicher, unechter Leute. Aber sobald eine Person einen Funken ihrer echten Persönlichkeit zeigen kann, wird sie für mich interessant.
Hast du schon einmal in einer richtigen Schreibflaute gesteckt? Hast du vielleicht Tipps wie man diese bewältigen kann?
Manchmal läuft gar nichts mehr, das kenne ich auch. Die Fragen, die ich mir dann stelle, sind: Bin ich vielleicht einfach bloß krank, ist eine Grippe im Anmarsch, oder habe ich mir wieder einmal zu viel zugemutet? Oft sieht das Ganze nach ein paar Tagen Ruhe schon wieder besser aus. Möglicherweise gibt es etwas in der Realität, das mich zu stark ablenkt, das erst geklärt werden muss? Oder ist die kreative Quelle leer? Dann lieber etwas ganz anderes tun, bei dem man nicht viel denken muss, wie Bügeln oder Rasen mähen, bis die Inspiration wiederkehrt. Bloß nichts erzwingen! Manchmal reicht auch einfach, dranzubleiben und die Zeit mit Überarbeiten zu nutzen, bis man wieder in den Fluss kommt. Wenn das nicht klappt, wäre die nächste Frage, die ich mir stellen würde: Liegt es an der Geschichte? Habe ich mich irgendwo im Plot verirrt und weiß deshalb nicht mehr weiter,  oder ist es die falsche Geschichte für diesen Zeitpunkt? Ist sie noch nicht „reif“?
Hattest du während des Schreibens einen Lieblingsplatz?
Am Schreibtisch, um mich her meine tausend Notizzettel. Im Wohnzimmer, wenn mein Schreibtisch zu voll ist.  Einen Teil dieses Romans habe ich übrigens im Urlaub an der Müritz geschrieben – am Küchentisch in der Ferienwohnung.
Bist du eher ein chaotischer oder ein organisierter Schreiber, was deinen Schreibtisch und deine Notizen angeht? Wie handhabst du das alles?
        Ähm, leider eher chaotisch. Ich habe meine Pläne meist im Kopf - und auf diversen Zetteln, die ich in den unzähligen Stapeln und Ordnern oft nicht mehr wiederfinde. Ich habe zwar immer wieder Anfälle von Aufräumeritis, aber gleich danach beginnen die Zettelberge wieder zu wachsen.  Trotzdem ist das Aufschreiben von Ideen wichtig, dadurch verankere ich sie in meinem Gedächtnis. 
Liest du selber gerne? Was ist dein Lieblingsbuch?
Ich lese schrecklich gerne, und egal wie viel ich zu tun habe, das muss einfach sein. Zum Glück lese ich schnell, und mittlerweile lese ich auch nicht mehr jedes Buch zu Ende. In jeder Ecke der Wohnung entstehen auf wundersame Weise Bücherstapel, die abgearbeitet werden müssen. Lange Zeit war „Der Herr der Ringe“ mein Lieblingsbuch, mittlerweile könnte ich mich nicht  für ein einziges Buch entscheiden. Es gab viele Bücher, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Das beste Buch ist immer  das, das gerade zu meiner Stimmung passt, mich abholt und mitnimmt. Und ich schätze Bücher, die auf irgendeine Weise nachhaltig sind und mich auch nach der letzten Seite noch beschäftigen.
Wie schaffst du es Ehe, Kinder, Beruf und Haushalt unter einen Hut zu bekommen?
Man muss nicht alles selbst machen und man muss Dinge liegen lassen können, die nicht so relevant sind. Mit guter Laune und einer kräftigen Portion Gelassenheit geht alles. Und dass die Familie am wichtigsten ist, bedeutet nicht, pausenlos zur Verfügung zu stehen. Man muss auch mal sagen können: Jetzt nicht, ich arbeite! 
Gibt es heute Stellen, die du an „Wild“ gerne verändern würdest?
Vielleicht sehe ich das in ein paar Jahren anders, aber im Moment bin ich glücklich über dieses Buch, so wie es ist.
Ich bedanke mich ganz herzlich bei dir für das Interview!
Danke schön für die interessanten Fragen!
Na? Wenn ihr Interesse an Lenas jüngsten Roman "Wild" habt, dann schaut doch einfach bei der Seite des "Drachenmond-Verlags" vorbei. Wenn ihr wollt, könnt ihr so einen kleinen Verlag unterstützen, anstatt bei riesen Internetseiten zu bestellen. :-)  Wie hat euch das Interview gefallen? Was ist eure Ansicht zu Dystopien? Haltet ihr die Geschichte von Pi für eine, die in der Zukunft eintreffen könnte?
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