[TALK ABOUT...] Buchgedanken: Hassliebe - Der Mut den Leser zu verletzen

Romane öffnen uns neue Welten, manchmal komplett andere, als wir sie kennen, manchmal aber auch welche, die uns bekannt vorkommen. Sie zeigen uns die Geschichten und Wege ihrer Charaktere, lassen sie lebendig darstellen und bringen uns dazu sie irgendwann zu lieben, zu verstehen, zu hassen. Gute Romane bauen eine ganz sonderbare Beziehung zu ihren Lesern auf: Sie binden sie an sich und sprechen alle möglichen Emotionen in ihnen an: Wir Lachen, ärgern uns, kauen unsere Fingernägel an den Entscheidungen der Protagonisten ab. Genauso bewundern wir ihr Verhalten und wünschen uns es genauso tun zu können. Und manchmal berühren uns diese Fantasiewelten so sehr, dass wir an nichts anderes mehr denken können. Sie treffen uns da, wo wir empfindlich sind und dieser Stich verschwindet nicht, egal wie lange wir uns einreden, es sei ja nur eine Geschichte.


Von diesen Werken gibt es nicht besonders viele in dem riesigen Ozean der Unterhaltungsliteratur. Sie unterscheiden sich nicht an ihrer Seitenzahl oder ihrem Cover von den anderen. Sie sehen auf den ersten Blick sogar genau gleich aus, aber auf den zweiten oder dritten Blick sind sie mehr als bloße Unterhaltung. Denn sie lehren viel über das Leben und den Menschen, über Moral und Wege. Cassandra Clares Zitat trifft sehr genau, was mich beim Lesen fasziniert:
"One must always be careful of books, and what is inside them, for words have the power to change us" 
(Clockwork Angel)
Denn manchmal fällt uns eine Geschichte in die Hand, von deren Tiefe wir nie auch nur träumen konnten. Das Talent dabei ist, dass sie uns nicht dazu bewegen sie zu lieben, sondern sie genauso zu hassen! Wenn das Ende einer geliebten Geschichte plötzlich nicht so ist wie wir uns erhofft haben und wir aber einfach ganz genau wissen, dass es kein besseres Ende für diese Story geben könnte. Wenn der Mut die Leser zu verletzen, dieses Detail ist, was eine bewundernswerte Geschichte ausmacht. Was im Gedächnis bleibt, und auch im Leserherz.
Das Besondere bei diesen Lesererlebnissen ist, dass egal wie traurig und erdrückend die Wendungen sind, die Hoffnung an das Gute immer da ist und quasi winkend zwischen den Zeilen rumhüpft. "Warum nur?" fragen wir den Autor während des Lesens und "Was ist denn eigentlich die Absicht, die Mitteilung des Romans?" ist auch -zumindest in meinem Kopf- eine häufig diskutierte Frage. Ich interpretiere das so, dass jeder bei so viel Verwirrung, Gefühl und Zwiespalt seine eigene Wahrheit und Moral finden muss. Ich schätze das sehr, weil ich meine Meinung nicht vorgekaut bekommen will und als Hobbyphilosoph auch gerne darüber grübele und versuche meine Schlüsse daraus zu ziehen. 

Den Anlass zu diesem Post liefert mir der wunderbar Roman "Flamingos im Schnee" oder was wirklich tausendmal besser passt "The Probability of Miracles" von Wendy Wunder (die Frau ist anscheinend dafür geboren dieses Buch zu schreiben). Ich liebe und hasse diesen Roman. Die letzte Seite will ich unendlich viele Male lesen und gleichzeitig rausreißen und verbrennen. Über Cams Geschichte will ich die ganze Zeit nachdenken und gleichzeitig schnell wieder vergessen. Diese Hassliebe, die ich nur ganz selten bei Romanen empfinde, steckt sie in eine neue Kategorie und macht sie in meinen Augen zu etwas sehr Außergewöhnlichem, was mir aber immer wieder zeigt, dass die Menschen, die nie etwas lesen, verpassen und nie verstehen werden, warum mir mehrere Seiten Papier so am Herzen liegen.
Wie seht ihr das? Habt ihr je eine Hassliebe für Romane empfunden? Wenn ja, für welche?
Was berührt euch bei Romanen? Was macht sie für euch Außergewöhnlich?
Kommentare on "[TALK ABOUT...] Buchgedanken: Hassliebe - Der Mut den Leser zu verletzen"
  1. Ein sehr schön geschriebener Text ♥

    Diese beschriebene Hassliebe habe ich zum ersten Mal bei dem Ende der "Morgen war Krieg"-Trilogie von John Marsden verspürt. Das war so fies, aber ich liebe die Trilogie und zähle sie zu meinen Lieblingsbüchern :)

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  2. "Bevor ich sterbe" von Jenny Downham war bei mir so ein Buch! Ich hasse das Ende, aber ich liebe es auch... ganz schwierig zu beschreiben und ich ziehe meinen imaginären Hut vor dir, dass du das so toll hinbekommen hast ;)

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    1. An "Bevor ich sterbe" trau ich mich gar nicht ran, weil ich schon vermute, dass ich mir die Tränen nicht verdrücken werden kann. Aber vielen vielen Dank! :-):-)

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    2. Du solltest es aber unbedingt lesen! Es war DAS Buch, welches mich mit auf den Weg nahm und die Welt der Bücher zeigte. Seitdem lese ich :) !
      Aber du hast recht... ich musste fast durchgängig weinen (Bin aber auch realtiv nah am Wasser gebaut) und es ist emotional sehr packend. Noch Tagelang hab ich über dieses Buch nachgedacht...
      Trotzdem bekommt es von mir eine klare Leseempfehlung :)

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  3. Sehr schöner Post ;) Und mir gehts es da genauso wie dir, diese Hassliebe ist einfach etwas total besonderes, das nicht jedes Buch schafft^^ Ein Buch, bei dem es mir am Ende genauso geht wie dir ist "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" -.-
    Bei "Bevor ich sterbe", das Conny genannt hat, ging es mir dafür ganz anders. Ich mochte dieses Buch nämlich insgesamt überhaupt nicht. Der Schreibstil, aber ganz besonders die Charaktere fand ich einfach nur fürchterlich. Nur das Ende finde ich noch recht gelungen, weil es doch sehr emotional ist ;)

    LG Filo

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  4. Wow.. Wie recht du hast! Und dieser Post ist echt wuuuuuuuundervoll geschrieben, ich glaube du wärst eine tolle Autorin! ;)

    Mir ging es so bei "Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie". Das Buch war eigentlich ziemlich toll, aber das Ende.. Ich würde das Ende entweder auslöschen oder hunderttausend mal lesen.. Ich finde, im Buch geht es ziemlich viel um das Leben und auch die Story hat mir sehr gut gefallen..

    Lg,

    Nicole :)

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  5. "Ich liebe und hasse diesen Roman."

    hach.. was für ein wunderwunderwunderbarer Post - DANKE :)

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  6. Solche Bücher gehören zu meinen mehr oder weniger Lieblingsbücher, denn diese vergesse ich nicht so schnell. Ich habe in der Zwischenzeit schon so viele Bücher gelesen, aber nur die wenigsten bleiben mir auch lebhaft in Erinnerung...

    Liebe Grüsse
    Vanessa

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  7. @Vanessa: So geht es mir auch. Sie lösen so viel in einem aus, da ist es sehr schwer sie zu vergessen.
    @Nana: ich hab zu danken! Für diesen herzerwärmenden Kommentar.
    @Nicole: Danke aber für ein Buch fehlt mir die gute Idee :-)

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  8. Schöner Text, den hab ich grad total gern gelesen!
    Die Hassliebe bei Romanen - man hasst es und liebt es zugleich :D Ich jedenfalls bin immer nur auf der Suche nach solchen Büchern, deshalb werd ich mir mal gleich dein neuestes Hassliebe-Buch merken^^
    Es fällt mir grad nur ein Buch ein, dass ich so richtig hasse und liebe. Nein, sogar zwei, wie mir grad bei einem Blick ins Bücherregal auffällt! Als erstes käme da auch eindeutig "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" und gleich darauf "Zwei an einem Tag" - ich denke, die Geschichte von John Green's Bestseller ist dir garantiert bekannt, aber "Zwei an einem Tag" hatte ebenso ein Ende, wo ich nur dachte: "WAS? WAS?! IHR. VER.KACK.EIERT. MICH. DOCH! Das Ende ist wirklich unglaublich fies und so......argh! Gott, wenn ich nur daran denke, kommen mir schon die Tränen =/ Jedenfalls ist es aber das Ende, das das Buch irgendwie - noch viel schöner macht. Irgendwie. So.

    Naja, ich denke wir alle als Buchliebhaber kennen solche Bücher! Und ich geh mir jetzt mal einen Boxsack holen, um wegen dieser zwei Bücher nicht gleich auf mein Regal einzuschlagen......
    Liebste Grüße,
    L E Y

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    1. Da fällt mir auch gleich ein Gedicht ein - haha, wer dachte, dass ich die lateinischen Dichter mal verstehen würde^^
      Also, hier diese passenden Sätze von Catull:

      "Odi et amo. Quare id faciam fortasse requiris.
      Nescio. Sed fieri sentio et excrucior."

      So in etwa:
      "Ich hasse und ich liebe zugleich – warum, fragst du vielleicht.
      Ich weiß es nicht. Ich fühl’s – es zerreist mich."

      Ich weiß, ich Streber. Ist mir nur grad so eingefallen =P

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  9. Guck mal welches Buch ich mir WEGEN DIR gekauft habe :D
    http://real-booklover.blogspot.de/2013/04/riiiiesige-bestellung-bei-medimopsmomox.html#comment-form

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  10. Hallo,
    das hast du wirklich wundervoll geschrieben und ja, es trifft den Nagel auf den Kopf.
    Wegen deiner Frage zu den Weiterlesen-Buttons, bzw. wegen Picasa:
    Wenn du auf picasaweb.google.com gehst, landest du automatisch in deinem Blog-Fotoalbum. Dort werden alle Fotos, die du auf deinen Blog hochlädst, gespeichert. Dort kannst du nun auch individuell Bilder hochladen und wenn du dort dann das Bild hochlädst, was dein späterer Button sein soll, musst du danach nur mit Rechtsklick auf das Bild und dann "Bild-URL kopieren" gehen und diese URL in die entsprechende Stelle eintragen, wie es es bei meinem Tutorial gezeigt habe. Ich hoffe, das konnte dir helfen :) Wenn du noch weitere Fragen hast, kannst du mich gerne anschreiben.
    Liebe Grüße, KQ

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  11. Mir gehts gerade mit dem zweiten Teil von "Die Bestimmung" so....Tris macht mich total fertig mit ihrer Lügerei, andererseits ist das Buch auch einfach nur geil...:))

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  12. @Lisa: Bei Die Bestimmung 2 war ich auch hin- und hergerissen, weil Tris so cool aber auch so dumm war! Aber dieses Buch hat mich trotzdem nicht zum Weinen gebracht. Dafür hat es einfach ein super Happy End! :D

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    1. Niiicht spoilern. :P Ach was..die letzte Seite hab ich eh schon gelesen, ich kann einfach nicht anders. Aber wirklich verstehen tu ich's noch nicht. Es ist so spannend.

      Ich hab schon 2 Mal Pipi in den Augen gehabt. :D Einmal als

      (Alle die es noch nicht gelesen haben sollten jetzt weggucken) :)

      Marlene gestorben ist und als Tobias aufeinmal im Quartier der Ken war und vor Tris stand. *-*

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    2. Letzteres fand ich auch so süß, schrecklich, krass! Ab dem Moment war ich zu 20000% Team Four! :D
      Das Ende hab ich auch nicht ganz verstanden, aber was solls im September erscheint der Abschluss. ;b

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