[REZENSION] Auracle

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 Die 16-jährige Anna Rogan ist ein ganz normaler Teenager – hätte sie nicht die Gabe, unbemerkt ihren Körper zu verlassen. Astral besucht Annas Seele die entlegensten Winkel des Universums. Reisen, deren Schönheit Anna genießt, deren Gefahr sie jedoch übersieht – bis es zu spät ist.
Als Taylor, Annas Klassenkameradin, bei einem dramatischen Unfall ums Leben kommt, kann Anna plötzlich nicht mehr zurückkehren: Denn die umherwandernde Seele der Verstorbenen hat ihren Körper besetzt - und weigert sich mit aller Kraft, ihn zu verlassen. Hilflos muss Anna zusehen, wie sie sich einen Spaß daraus macht, ihr neues „Revier“ mit Piercings und Tattoos zu markieren. Doch als Taylor sich auch noch daran macht, Annas besten Freund Rei zu verführen, entspinnt sich ein mörderischer Zweikampf: um Annas Körper – und um Reis Herz.

Als das Licht ausgeht, flüstert mir Rei Ellis leise zu: "Anna, geh nicht." Er ignoriert den Fernsehrbildschirm, auf dem gerade der Vorspann eines Films zu sehen ist. "Warum?", entgegne ich.
"Weil du dich in Schwierigkeiten bringen wirst", sagt er und zeigt mit dem Bleistift auf den Englischlehrer, der gerade an dem Lautstärkeregler herumdreht.
 Anna genießt es ihren Körper regelmäßig zu verlassen und astral den ganzen Globus zu erkunden. Innerhalb von Augenblicken reist sie zu weit entfernten Orten und lauscht dort Konzerten, beobachtet die außergewöhnliche Natur, oder auch ab und zu Vulkanausbrüche. Es ist das Hobby, was sie dazu bringt sich frei zu fühlen und sich dem erniedrigenden Alltag zu entziehen, denn Annas Vater ist Alkoholiker und an die Zeit davor erinnert sie sich kaum noch. Weil ihre Mutter den ganzen Tag arbeitet, ist der scheinbar einzige Halt in Annas Leben ihrer bester Freund und Nachbar, Rei. Dieser sorgt sich während ihrer Astralreisen sehr um sie, aber Anna hört nicht auf seine Bitte, aufzuhören.
Weil Anna während des Todes der reichen Schulqueen Taylor, mal wieder nicht in ihrem Körper ist, nutzt Taylor das -weil die Angst vor dem Tod zu groß ist- aus und stiehlt Anna ihren Körper. Dazu will sie jetzt als Anna auch noch gegen einen Klassenkameraden, Seth, aussagen, der angeblich an ihrem Tod Schuld sein soll, welcher sie aber eigentlich zu retten versucht hat. Anna benachrichtigt Rei, und die beiden müssen schnell handeln, denn der Gerichtsprozess rückt immer näher...
Das erste was dem Leser schon nach den ersten Sätzen auffällt ist der Schreibstil. Manchmal wird direkt etwas Auffälliges bemerkt oder erst späer nach ein Paar Seiten, aber dennoch trägt er einen sehr großen Bestandteil zu dem Gesamtbild des Romanes bei. In "Auracle" habe ich nach diesen ersten Sätzen vom Buch aufgeblickt und mich gefragt wie alt die Protagonistin ist. Denn die einzelnen Worte, die Kombinationen hörten sich sehr fremd und ungewohnt in meinen Ohren an und die Sätze einfach schlecht aufeinander abgestimmt. Dieses Gefühl, das mich immer wieder die Stirn runzeln ließ, hörte dann irgendwann auf, was einerseits daran liegt, dass der Gina Rosatis Schreibstil im Verlauf des Romanes doch etwas flüssiger wurde, aber auch schlichtweg daran, dass der Mensch ein Gewöhnungstier ist.

Auch die Charaktere sind zu Beginn etwas speziell und ihr Verhalten passt einfach nicht ganz zu ihrem Alter, aber auch da gewinnt man langsam eine Übersicht. Mit Abstand am sympathischten ist Rei, welcher auch gleichzeitig die Rolle des männlichen Protagonisten einnimmt: Er meditiert, ist außergewöhnlich ruhig und ausgeglichen und besitzt ein riesiges Herz, was Anna in den vielen Jahren allein, Trost gespendet hat.
Anna bleibt da leider sehr blass, auch wenn die Geschichte aus ihrer Perspektive geschrieben ist. Während sie zunächst sehr trocken wirkt, kristallisiert sich (zum Glück!) ihr Humor heraus und bleibt das Highlight ihrer Persönlichkeit. Über die anderen Charaktere erfährt man dann kaum etwas. "Ein Mädchen, Zwei Seelen, eine Liebe" soll es doch heißen? Aber über die zweite Seele, Taylor, wird der Leser kaum aufgeklärt. Ihre zickige, hinterhältige Fassade bekommt man zwar mehr als oft genug zu Gesicht, aber wenn es um ihre Wandlung, ihre Tiefe und ihre Komplexe geht, dann ist man bei "Auracle" schon auf der letzten Seite angelangt und das war es dann mit Taylor Gleason, die leider nur die letzten drei Seiten an Menschlichkeit und Gefühl zeigt, den Plot aber die restlichen 363 Seiten mit etwas Kitsch versieht.

Sehr erfrischend dagegen ist die Liebesgeschichte, die sehr dezent, süß und authentisch gehalten wird. Anna Swan verliebt sich nämlich nicht auf den ersten Blick in Rei Cullen, sondern erst nachdem sie sich ein Leben lang kennen und sich vertraut sind. Annas langsam aufblühende Gefühle wirken sehr echt und es wird kein Liebesdrama erzeugt, was ich in "Auracle" sehr passend finde. Weniger ist an dieser Stelle nämlich wirklich mehr, entzieht der Liebesgeschichte den Kitsch und rettet den Roman.
Ebenfalls sehr unterhaltsam und neu ist die Grundidee dieses Fantasyromans, denn Astralreisen und Astralprojektion ist kein besonders oft behandeltes Thema in der Literaturwelt. Auch wenn es nicht detailliert beschrieben wird und nur auf Annas Empfindungen basiert, hat es frischen Wind in die Handlung gebracht und ihr auch einen gewissen Charme verliehen, der bislang auf jeden Fall Wiedererkennungswert besitzt.
 Fazit: "Auracle" von Gina Rosati ist ein Roman von der Sorte "Tolle Grundidee, schlechte Umsetzung". Während die Grundidee von Astralreisen sehr viel Potential besitzt, kann der Roman nicht mit dem Schreibstil punkten und auch den wenigen Charakteren fehlt es ein wenig an Farbe. Dennoch retten die authentische und 'echte' Liebesgeschichte zusammen mit dem männlichen Protagonisten den Roman und machen ihn dann zum Schluss doch zu einem Lesevergnügen für zwischendurch, vorallem für alle, die sich für Kultur interessieren und wissen wollen, was es mit Annas Astralreisen auf sich hat.

Die US-amerikanische Autorin Gina Rosati lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann sowie ihren beiden Kindern  in New Hampshire. Bevor sie ihr erstes Buch, den Jugendroman "Auracle", schrieb, war sie unter Anderem als Sekretärin und Konditorin tätig. Noch heute arbeitet sie ehrenamtlich einen Tag in der Woche in einer Schulbibliothek. [Quelle: Lovelybooks] 

 Mehr? Hier kommst du zur Webseite der Autorin, hier zu ihrem Blog und hier zu ihrem Twitteraccount.


Ich bedanke mich sehr herzlich für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares bei
Kommentare on "[REZENSION] Auracle"
  1. Ach Gott, ich habe es auch von BloggdeinBuch bekommen und wollte mich gerade ransetzen und anfange zu lesen. Jetzt hast du mir Angst gemacht :P Jetzt bin ich gespannt wie ich das Buch finde.

    Alles Liebe, Ally

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    1. Angst brauchst du nicht zu haben! :D Nur keine besonders hohen Erwartungen, wie ich finde. Vielleicht gefällt es dir ja gut. Die Geschmäcker teilen sich ja bekanntlich. ;)

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