[TALK ABOUT...] Schullektüren oder: Unsere kleine Geschichte

Das Leben eines Bookaholics, vorallem eines Bookaholicbloggers besteht was das Lesen betrifft, aus einem Stapel alter aber toller Bücher, schönen Covern oder Geschichten zum wegträumen, einem Haufen ersehnten Neuerscheinungen, die ihn dazu bringen, die Buchläden zu stürmen (oder manchmal auch Amazon) und schlussendlich auch aus ein paar Schulpflichtlektüren, die jeder gelesen hat auch noch jeder lesen wird. Sind sie einfach nur nervig, voll mit herruntergekommenen klischeehaften Handlungen oder philosophischen Erzählungen? Oder regen sie zum Nachdenken an, lassen sich wunderbar besprechen und sind doch gar nicht so schlecht wie erwartet?

Heute werde ich euch einen kleinen Einblick in meine Sicht auf Schullektüren geben. Auch wenn ich noch einige Schuljahre vor mir habe, ist die Geschichte von mir und Schullektüre verbunden mit vielen Überraschungen. Insbesondere will ich etwas über Max Frisch's Andorra sagen, zu dem ich keine Rezension verfassen werde. Kennt ihr es auch? Bestimmt. Dann diskutiert doch mit mir in den Kommentaren.



Von der 4. bis zur 8. Klasse war mit den Büchern, die ich von meiner Deutschlehrerin "empfohlen" und aufgedrängt bekommen habe, alles ok. "Ben liebt Anna" war vielleicht nicht grade ein Highlight in meiner damaligen Bandenromanesucht, aber dennoch keine große Überwindung für Kleinana, die schon damals gerne gelesen hat. Auch die ersten drei Jahre auf dem Gymnasium freute ich mich sogar schon auf Schullektüren. Es war und ist einfach mein Ding. Anstatt "Argumentationen" zu schreiben oder über die grammatikalischen Kleinigkeiten zu diskutieren, muss ich einen Roman lesen und mir auch noch Gedanken darüber machen, was ich so oder so parallel mit den Höhen und Tiefen des Alltags immer getan habe, tue und tun werde. Also warum nicht?
Dann muss ich euch gestehen, dass ich keine der bisherigen Schullektüren schlecht fand. Von meinen Mitschülern ernte ich ständig komische Blicke ein, wenn mir während einer "Schullektüren sind sowas von Scheiße"-Diskussion mal ein "Also ich fand es gar nicht so schlecht" rausrutscht. Aber naja, das mit dem Ehrlichsein ist halt so und irgendwie habe ich bei Schullektüren die rosarote Brille an,  -oder die Romane sind wirklich einfach nach meinem Geschmack. Was ich an Büchern wahnsinnig toll finde, ist dass man sich sehr lange darüber Gedanken machen kann und sie mit anderen sehr gut besprechen kann. Darüber das dies zum Unterricht gehört, kann ich mich also nicht beschweren. Vielleicht kann ich deshalb die Schullektüren, nachdem sie wochenlang durchgekaut, analysiert und bis aufs kleinste Detail besprochen werden, viel leichter in mein Herz schließen. Kleine Makel werden durch noch größere Pluspunkte ersetzt. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe gute Erfahrungen mit Schullektüren gemacht. [Rezension zu "Tschick"]

Zu meiner letzten Schullektüre: "Andorra" von Max Frisch war dann doch etwas anders als die bisherigen Schullektüren. Erstens stammt dieses Buch nicht aus dem 20.Jahrhundert, zweitens ist es ein Theaterstück. Ich wusste nicht, ob ich mich mit der Sprache anfreunden konnte, noch mit der Handlung oder mit den Charakteren, die Personen der heutigen Zeit vielleicht gar nicht mehr entsprechen können. Aber Andorra ist ein Modell und nach ein paar ausführlichen Buchgedanken, kann ich Max Frischs Sicht sehr gut nachvollziehen. Die Menschen haben sich gar nicht so sehr geändert, wie ich es gedacht habe. Jedenfalls konnte ich dieses Modell sehr gut auf das Große übertragen. Im Endeffekt hat mir also auch diese Lektüre gut gefallen und ich fand es nicht wie viele meinten "langweilig und schrecklich öde". Es ist aus meiner Sicht sogar sehr viel, was da in den 120 Seiten passiert. In vielen anderen Romanen ist das noch die Einleitung, in der die die Protagonisten und die Ausgangssituation vorgestellt werden. Aber in Andorra hatte ich nach diesen 120 Seiten trotzdem ein Gefühl die handelnden Personen gut zu kennen. Und das Ende ist wirklich so dramatisch und berührend, dass ich rückblickend betrachtet froh bin, es gelesen zu haben.
Das Einzige, was mich jedoch immer stören wird, ist, dass man es lesen muss. Und zwar in einer bestimmten Zeit, egal ob man da vielleicht keine Lust oder anderes zu tun (oder zu lesen hat). Aber naja, so ist es halt mit den Verpflichtungen, darüber aufregen kann man sich immer, aber sonst wäre das Leben ja schließlich sehr
langweilig.


Nach diesem wirklich langen Post würde ich gern eure Meinung darüber hören. Hattet ihr auch so viel Glück mit euren Schullektüren oder verbindet ihr schlechte Erfahrungen damit? Eure Ana
Kommentare on "[TALK ABOUT...] Schullektüren oder: Unsere kleine Geschichte"
  1. Gerade lesen wir "Holes" von Louis Sachar in Englisch. Das ist eigentlich total cool. Die Verfilmung mit Shia LaBeouf wollen wir uns auch noch angucken. :p die Betonung liegt auf: SHIA LABEOUF! :D

    LG,
    Lisa

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  2. Ohman...über andorra musste ich ein 4 stündiges Referat halten:0:D das Buch hängt mir zum hals raus. Ich hasse auch schullektüren, zu lesen okay, aber soooo ins detail zu gehen in der Schule und dann noch jeden Satz analysieren...:D da muss man doch als bloggerin ein gutes Gefühl haben in der Arbeit:D vonwegen .. 2 mal ne 5:D und jetzt sind Gedichte dran:0 ich will wieder in die Grundschule:0:D

    Liebe Grüße
    Maren

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    1. Nach einem Referat ist das ja kein Wunder, 4 STUNDEN! :o
      Ich mag das ins Detail gehen. (: Gibt doch wohl viele verschiedene Arten von Buchbloggern. ;)

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  3. Also mit dem Anfang kann ich dir vollkommen zustimmen ;) Bis zur siebten Klasse hatte ich auch kein Problem mit Schullektüren. Sie sind vielleicht nicht zu meinen Lieblingsbüchern geworden, aber sie waren ganz gut^^ Seit wir in der achten allerdings mit Klassikern angefangen haben und die paar wenigen Romane (ich glaube, es waren 2^^), die tatsächlich noch aus dem 20 Jahrhundert stammen seltsam bis ekeleregend sind, kann ich mich auf Schullektüren nicht mehr freuen. "Andorra" haben wir unter anderem auch gelesen und es gehört bestimmt nicht zu den schlimmsten meiner Schullektüren, aber als gut würde ich es auch nicht beschreiben (so unterschiedlich sind eben Geschäcker :p). Am schrecklichsten waren aber ganz sicher "Wilhelm Tell" und "Nichts". Letzteres ist einfach nur seltsam, unlogisch, nicht nachvollziehbar und ekeleregend. Ich kann nicht glauben, dass jemand gerne über zwei Seiten eine detailreiche Beschreibung davon liest, wie jugendliche einem Mitschüler den Finger(!!!) abhacken (!!!) - mich schüttelt es schon wieder nur bei dem Gedanken daran :/

    Aber schön, dass du noch deinen Schullektüren etwas abgewinnen kannst ;)
    LG Filo

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    1. Ich hoffe mal dass ich so was nicht lesen muss. In Andorra sind ja auch schon grausame Sachen passiert, aber das fand ich dann nicht so schlimm.
      Hoffentlich ändert sich meine Meinung in der Oberstufe nicht :D

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  4. Haha, "Ben liebt Anna" das waren noch Zeiten, wer hat das nicht gelesen?! :D

    Ist ja lustig, von Max Frisch lesen wir gerade "Biedermann und die Brandstifter", und die Sprache ist voll okay, ich weiß ja nicht, ob du "Kabale und Liebe" gelesen hast, wenn nicht, DIE Sprache war ... was auch immer, toll war sie nicht. O-o :D

    Mir ist kein passendes Wort eingefallen, nur "Melancholisch", welches würdest du nehmen? :)

    Liebe Grüße
    Rubin:)

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  6. Also bei mir war es so, dass ich in der 5-10 eigentlich Glück hatte mit den Schullektüren, da war außer "Wilhelm Tell" kein Buch dabei, was ich so richtig grausam fand. Nur jetzt in der Oberstufe kann ich mich mit den Büchern nicht so recht anfreunden. Durch "der Sandmann" und "die Ratten" konnte ich mich noch irgendwie durchquälen und "der Sandmann" war auch gar nicht so schlecht, aber im Moment verzweifle ich an "die Verwandlung" von Kafka. Und auch, wenn der so hochgelobt ist und voll tolle Sachen geschrieben (haben soll) und so, kann ich mich damit irgendwie nicht so anfreunden. Ich weiß nicht, ob es an der Geschichte an sich liegt oder an der Sprache, wobei die bei "die Ratten" eigentlich viel schlimmer war.
    Um mich herum gibt es eigentlich kaum Leute, die die Schullektüren überhaupt lesen, was ich einerseits ganz schön dreist finde, andererseits ist es aber ihre Entscheidung und teilweise kann ich es auch verstehen. Wenn man nicht so viel liest, dauert es sowieso länger bis man sich in ein Buch hinein gefunden und es dann letztlich durchgelesen hat...

    Liebe Grüße
    Aileen

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  7. Hihi, ich fand "Wilhelm Tell" eigentlich ganz gut, aber am schlimmsten war "Das Schiff Esperanza"... stundenlang lag unser Lehrer uns mit der tollen Ironie der Geschichte in den Ohren ^^ Das beste Buch, das wir gelesen haben (außer Narnia oder "Die Brüder Löwenherz") war "Der Richter und sein Henker" - total spannend, ich weiß gar nicht, was alle haben -, aber auch "Das kalte Herz" war ganz gut. Im Moment lesen wir "Kabale und Liebe", das Rubin oben erwähnt hat. Es ist... seltsam, die Sprache wirklich kompliziert und das Ende ist ein bisschen armselig. Außerdem will mein Lehrer die ganze Zeit Recht behalten, was den Spannungsverlauf angeht, das nervt mich ^^

    Schöner Post, Schullektüre ist irgendwie wirklich ein Thema, über das man stundenlang reden könnte :o

    Alles Liebe, Josi <3

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    1. Manchmal zerstören die Lehrer auch das Buch, wenn sie immer Recht haben müssen mit ihrer eigenen Interpretation. :D Wilhelm Tell fand ich auch super (ups ich hab vergessen es oben zu erwähnen), aber ihr habt Narnia gelesen?! Das ist ja mal wirklich cool. :-)

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  8. Hi
    also bücher von max frisch sind total schrecklich, ich musste damals ''biedermann und die brandstifter lesen''
    zuletzt musste ich ''Kabale und Liebe'' und iphigenie auf tauris'' lesen. Beides war nicht so toll. jetzt muss ich mich durch ''hiob'' von joseph roth durchquälen. am besten war bis jetzt ''nichts - was im leben wichtig ist (von janne teller)'' was ich in philosophie lesen musste. das war wenigstens interessant. alle anderen schullektüren sind bis jetzt nicht so toll gewesen.
    und in englisch wurden die bücher bei mir noch schlimmer.
    ''abomination'' über ein mädchen, das gemobbt wird, weil ihr die mutter ihr die klamotten näht und sie gehen in eine merkwürdige gemeinde (sekte) und zusätzlich wird das kind von der schwester im keller festgehalten (das kind kann nicht sprechen und bekommt nur nahrung ). voll krass.:)
    und schließlich zueltzt in englisch noch ''death of a salesman'', wo ein mann immernoch am amerikanischen traum festhält...
    liebe grüße
    Callie

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    1. Also ich finde Max Frisch gar nicht schlecht. :-)
      Ok solch krasse Handlungen musste ich in meinem Schulleben noch nicht lesen. :o

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