[VERBANN-WOCHE] Tag 6: Eine unveröffentliche Szene mit Lily, Rasmus und Jinxy!


  Als ich noch mit dem Gedanken gespielt habe, einen zweiten Teil zu „Verbannt“ zu schreiben, habe ich mir schon die eine oder andere kleine Szene dafür überlegt. Diese unveröffentlichten Texte würde ich gerne mit euch teilen, aber leider würde das Meiste davon zu viel von der Handlung verraten. Schließlich habe ich aber doch einen Ausschnitt – sozusagen ein winziges Szenenschnipselchen – gefunden, der zeitlich nach dem Ende von „Verbannt“ anzusiedeln ist, aber auch unabhängig davon gelesen werden kann. Und was könnte schließlich besser zu einem Bücherblog passen als …

Rasmus, Lily und Jinxy in der Schulbibliothek
„Ich hasse es, wenn Leute Eselsohren in Bücher machen“, sagte ich gedankenverloren und strich die Seite der „Allgemeinen Erzähltheorie“ glatt, die ich gerade las – oder es doch zumindest versuchte.
Offensichtlich froh über die Ablenkung hob Rasmus den Kopf. „Ich hasse es, wenn sie die Bücher verkehrtherum ins Regal zurückstellen“, antwortete er und warf einem Mädchen, das ebendiese Missetat gerade begangen hatte, einen finsteren Blick zu.
„Ich hasse es, wenn Leute ihre Bücher in Zeitungspapier einschlagen, damit man im Bus nicht sehen kann, was für schweinische Sachen sie lesen“, fuhr ich fort.
„Ich hasse es, wenn sich Leute im Bus zu mir rüberlehnen, um zu sehen, was ich für schweinische Sachen lese.“
„Ich hasse es, wenn Leute ihre Finger ablecken, bevor sie umblättern.“
„Uuh“, machte Rasmus und schauderte. Ich versuchte mir einen anderen Jungen vorzustellen, mit dem ich ein derartiges Mauerblümchengespräch hätte führen können und der dabei so aussah … aber es wollte mir nicht gelingen.
„Du bist ziemlich toll, habe ich dir das schon mal gesagt?“, rutschte es mir heraus.
„Ja“, antwortete er nachdenklich, „aber ich würde dir eine Wiederholung nachsehen.“
„HALLO-HO“, drang eine gereizte Stimme zu uns hinüber. „Geht’s noch? Ihr zwei seid schon wieder unerträglich, und außerdem versuche ich hier zu lernen!“
Ich drehte mich zu Jinxy um und zog eine Augenbraue hoch. „Tust du gar nicht. Du liest doch heimlich Breaking Dawn.“
„Und vorhin, als du geglaubt hast, dass niemand hinsieht, hast du ein Eselsohr in die Seite mit der ersten Sexszene gemacht“, fügte Rasmus hinzu, woraufhin Jinxy ein gequältes Stöhnen von sich gab, das vermutlich bis ans Ende der Bibliothek schallte. Missmutig packte sie ihren Schulrucksack, schaute uns noch einmal vorwurfsvoll an und rauschte dann hinaus.
Sofort meldete sich bei mir das schlechte Gewissen. „Ich wollte sie nicht ärgern“, murmelte ich.
„Ach, nicht?“, fragte Rasmus überrascht und sah dabei äußerst vergnügt aus. Dann rutschte er plötzlich ohne Vorwarnung an mich heran und stützte das Kinn auf meine Schulter. Als ich seinen Atem an meiner Wange fühlte, begann sich mein Interesse für erzähltheoretische Probleme auf rätselhafte Weise zu verflüchtigen, und nur mit Mühe erinnerte ich mich daran, dass wir hier nicht alleine waren.
„Grabowski“, hauchte ich schwach.
„Eine etwas ungewöhnliche Wahl für einen Kosenamen, aber okay“, flüsterte Rasmus so nahe an meinem Ohr, dass seine Lippen mich berührten.
„Nein, sie kann uns sehen!“, warnte ich und schielte besorgt zu der Lateinprofessorin hinüber, die unserem Tisch inzwischen gefährlich nahe gekommen war. „Außerdem muss ich jetzt auch noch Jinxys Bücher zurückräumen, und bis wir in der Cafeteria sind, gibt es vielleicht nicht mehr genug Nachtisch.“
„Wenn nur ich einen bekomme, kannst du ihn haben“, sagte Rasmus gönnerhaft.
Ich drehte den Kopf, um ihm einen schnellen Kuss auf die Wange zu geben, bevor ich sehr widerwillig aufstand.
Als ich gerade dabei war, die Bücher übereinanderzustapeln, fiel mir noch etwas ein und ich hielt inne. „Rasmus?“, fragte ich. „Was meinst du, sind wir wirklich unerträglich?“
Anstelle einer Antwort grinste er nur und legte mir den Arm um die Schultern.
Kommentare on "[VERBANN-WOCHE] Tag 6: Eine unveröffentliche Szene mit Lily, Rasmus und Jinxy!"
  1. Schade das die Szene nicht veröffentlich wurden ist. Sie ist nämlich echt toll =D

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