[REZENSION] Tote Mädchen lügen nicht

 
 Die Stimme der Toten, ein Ruf nach Leben
Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 13 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf "Play" - und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon ...
Ein Roman, der unter die Haut geht.

"Sir?", wiederholt sie. "Wann soll das Paket ankommen?"
Mit zwei Fingern streiche ich mir über die linke Augenbraue. Das Pochen ist schlimmer geworden. "Spielt keine Rolle", antworte ich.

Als Clay Jensen eines Tages ahnungslos von der nach Hause kommt, erwartet ihn dort ein Paket mit 7 Kassetten. Er hatte eine schwierige Woche hinter sich, da sich ein Hannah Baker, in welcher er schon eine Zeit lang verliebt ist, sich umgebracht hat. Trotzdem traut er sich an die erste Kassette und ist schockiert, da es tatsächlich Hannahs Stimme ist. 
Auf den Kassetten erklärt sie ihm und zwölf anderen Personen ihre Geschichte und warum sie daran beteiligt sind. Voller Angst, Nervösität und Wut, geht Clay die Reise in Hannahs Lebensgeschichte ein.

Ich hätte wirklich nie erwartet,  "Tote Mädchen lügen nicht" zu lesen, Normalerweise sprechen mich so welche Geschichten nicht an, aber jetzt - im Nachhinein- bin ich mehr als nur froh es gelesen zu haben. 

Denn "Tote Mädchen lügen nicht" ist ein Buch, was man wirklich gelesen haben sollte.
Zwar ist es aus der Sicht von Clay geschrieben, trotzdem ist es eher Hannah Baker über die man etwas erfährt und der Grund warum es von der ersten Kassette an ein Pageturner ist.
Von der Innengestaltung hat der Verlag es sehr geschickt dargestellt: Die Gedanken und Dialoge von Clay sind normal gedruckt, alles was Clay auf der Kassette hört, kursiv. 
Ich persönlich fand das viel zu viele normal gedruckte Stellen vorkamen. Ich weiß nicht mehr wie oft ich Clays Gedanken einfach übersprungen habe, weil ich Hannah Bakers Geschichte weiter lauschen wollte und wie oft ich mich über die längeren "Clay"-Passagen gequält habe. Damit hätte der Autor ruhig ein bisschen sparsamer umgehen können.

US-Cover
Trotzdem Schnell merkt man, dass Hannah vor ihrem Selbstmord alles gut organisiert und ihre letzte Botschaft strukturiert hat. Hinter ihren Worten steckt viel Überlegung und -wie man zusammen mit Clay merkt- auch sehr viel Gefühl. 

Der Autor hat mit Hannah Baker nämlich einen sehr interessanten Charakter aufgebaut, und dessen Entwicklung für den Leser sehr klar gemacht. Ein sympathisches, extrovertiertes Mädchen, was durch äußerliche Einflüsse ein komplett anderer Mensch geworden ist. Dazu ist Clay fast wie ein Gegensatz. Er hatte noch nie Probleme mit Mobbing und ist auch eher ruhig und zurückhaltend. 
Er ist in dem Roman ein großer Sympathierträger, was vorallem daran liegt, dass er Hannah versteht und mit ihr leidet. Er erkennt sogar die versteckten Botschaften in ihren Kassetten und ich könnte mir keine passendere Person vorstellen, aus dessen Sicht Jay Asher seinen Roman besser hätte schreiben können.

Das berührendste an dem ganzen Roman ist natürlich das Thema Mobbing und Selbstmord. Es ist eine Geschichte, die die Situation einer gemobbten Person sehr gut darstellt. Hannah Baker selbst beschreibt sie wie eine "Lawine", die einen mitreißt. Dabei fällt schnell auf, dass nicht jeder Einzelne, von dem sie berichtet, etwas besonders Schlimmes getan hat, sondern das jeder einen mehr oder weniger großen Impuls gegeben hat, sodass sie am Ende keinen Halt mehr finden konnte.
 Ich muss gestehen, dass ich bis vor ein paar Wochen, bevor ich den Roman kannte, noch keine Ahnung hatte, wie ein Mensch an diesen Punkt gebracht werden kann. Dass ich so viel von einem Roman mit knapp 300 Seiten lernen würde, hätte ich nicht erwartet. 
Zwischendurch habe ich immer wieder gehofft, dass Hannah Baker, sich doch nicht umgebracht hat und, dass sie und Clay dann ein Paar werden würden. Doch leider hat sich meine Vorstellung von einem Happy End dann schließlich in Luft aufgelöst. "Tote Mädchen lügen nicht" zeigt nämlich -im Gegensatz zu Fantasyromanen- die traurige Kehrseite des realen Lebens am Beispiel von einem ganz gewöhnlichen, sympathischen Mädchen.
Fazit: Auch ich kann diesen Roman an wirklich alle weiterempfehlen. Auch wenn das deutsche Cover schlimm und erschreckend wirkt, ist das Buch eher emotional und spannend. Hier hat der Autor kein glückliches Happy End vor Augen, sondern eine reale Geschichte, aus der jeder Leser viel lernen kann. 
Es hat mich zwar nicht umgehauen, aber dennoch gefesselt.
Ein Einblick in Hannah Bakers Leben ist also ein "Muss" für Leser ab 13 Jahren.


Jay Asher wurde 1975 in Kalifornien geboren. Seine großen Leidenschaften als Jugendlicher waren Gitarrespielen und Schreiben, was beides von seinen Eltern unterstützt wurde. Seine ersten Kinderbücher verfasste er in einem Literaturseminar in der Uni. Er übte verschiedenste Berufe aus, u.a. als Schuhverkäufer und Bibliothekar, die er in seine Geschichten miteinbezieht, bevor er sich ausschließlich dem Schreiben zu widmen begann. Im Herbst 2012 erscheint sein aktueller Roman "Wir beide, irgendwann". Jay Asher ist verheiratet. [via lovelybooks]


Kommentare on "[REZENSION] Tote Mädchen lügen nicht"
  1. Ich hab das Buch aus der Bibliothek gerade geliehen. Dann bin ich mal gespannt wenn ich es lese :D

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    1. Dann werde ich es lesen, wenn ich mit meinem anderen Buch aus der Bibo fertig bin :D

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  2. Bei mir steht das Buch auch noch im Regal und möchte gelesen werden :D

    Liebe Grüße. Jani
    http://janis-allerlei.blogspot.de/

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  3. des ist echt ein klasse buch !
    jay asher schreibt wirklich gut, er hat auch noch ein weiteres buch herausgebracht ! rezi kannst du hier lesen !

    http://baddicted.blogspot.de/2013/01/wir-beide-irgendwann.html

    ganz liebe grüße !

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  4. Tolle Rezi und auch tolles Buch :)
    Es ist wirklich schade das es kein Happy End gibt
    Aber auch Gute Bücher haben manchmal kein Happy End :(
    Ich empfehle das Buch auf jeden Fall weiter

    MFG Isaa

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  5. Die Rezension ist toll *_*
    Ich hab e ja verschiedene Meinungen zur Tote Mädchen lügen nicht aber nach deiner Rezi, werde ich mir dieses Buch kaufen, obwohl ich den Original Cover schöner finde als die Deutscheversion.

    Alles Liebe, Ally

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  6. Huhu, ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich deine Rezi auf meinem Blog verlinkt habe :)
    Und zwar genau hier:

    http://nellysleseecke.blogspot.de/2015/08/tote-madchen-lugen-nicht-von-jay-asher.html

    Liebste Grüße, Nelly

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